Die Geschichte und die politische Lage in Haiti

Das Land wurde 1492 von Columbus entdeckt und war danach erst spanische, dann französische Kolonie. Die indianische Urbevölkerung wurde schon zu Columbus’ Zeiten ausgerottet und durch afrikanische Sklaven ersetzt. Zur Kolonialzeit wurde das Land ausgebeutet und nach Abholzung der tropischen Wälder durch rücksichtslose Plantagenwirtschaft schwer geschädigt.
1804 wurde Haiti als eine der ersten Kolonien unabhängig; nach langen Kämpfen hatten die Weißen das Land verlassen. Danach kamen mehrere schwarze Könige, die nach dem Vorbild absolutistischer Herrscher regierten. Schließlich war Haiti lange unter der Herrschaft diktatorischer Militärregierungen. Am bekanntesten wurden Papa Doc und Baby Doc.
1991 übernahm der erste demokratisch gewählte Präsident Haitis, Jean-Bertrand Aristide, mit seiner Partei Lavalas die Regierung. Schon kurz danach mußte er nach einem Putsch ins Exil und konnte erst 1994 kurz vor Ablauf seiner ersten Amtsperiode unter dem Druck der USA durch ein Handelsembargo und militärische Drohungen wieder zurückkehren.
In den Folgejahren war die Partei Lavalas an der Macht, aber es hatte sich nicht viel in Haiti geändert. Der ehemalige Armenpriester Aristide konnte viele Erwartungen nicht erfüllen. Es wurden ihm ähnlich korrupte und gewalttätige Methoden vorgeworfen wie seinen Vorgängern. In den letzten Jahren sprach man von einer anhaltenden politischen Krise. Viele forderten einen Regierungswechsel. Die gewalttätigen Unruhen fanden im Februar 2004 ihren Höhepunkt. Von Norden her eroberte eine Rebellenarmee das Land. Unter massivem Druck der USA, der Rebellen und der Bevölkerung mußte Aristide am 29.2.2004 abdanken und das Land verlassen.

Seine Anhänger und deren Gegner sorgen jedoch immer noch für Unruhe im Land. Laufend erreichen uns Nachrichten von Demonstrationen, Terroraktionen, Ermordungen politischer Gegner der verschiedenen Lager und Eskalationen der gewöhnlichen Kriminalität bei fehlender staatlicher Kontrollfunktion. Der provisorische, aus dem US-amerikanischen Exil kommende Premierminister, Gerard Latortue, verwaltete nur vorübergehend die Regierungsgeschäfte. In der zweiten Jahreshälfte 2005 waren immer wieder Wahlen angesetzt, die jedesmal verschoben werden mußten, da die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen waren.
Über 40 Präsidentenkandidaten bewarben sich um die Macht, von denen keiner eine Ideallösung zu sein schien. Erst im Februar 2006 hat die Wahl stattgefunden, aus der René Préval als Sieger hervorging.
Das Land befindet sich weiter in einem unsicheren Schwebezustand, alles ist provisorisch. Es können noch keine wesentlichen Entscheidungen getroffen oder Programme durchgeführt werden.