Reisebericht von Anke Brügmann 2011

30. Juli 2011
Bericht aus Haiti von Anke Brügmann, Teil 1
Kurz vor der Abreise nach Kuba, wo Anke Brügmann zu den Folge-Operationen des gehbehinderten Silvens reisen wird, hat sie folgenden Bericht über die aktuelle Lage in Haiti geschrieben.
Manche Projekte sind gut vorangekommen, in anderen Bereichen gibt es erwartete und unerwartete Schwierigkeiten, die es zu meistern gilt.

1. Kubareise
Ich werde im August mit Silvens, dem gehbehinderten Jungen, in Kuba sein. Dort soll sich Silvens weiteren Operationen unterziehen. Die Bestätigung, daß das Krankenhaus in Kuba Silvens tatsächlich aufnehmen wird, kam leider erst sehr kurzfristig.

2. Lehrerfortbildungen
Mit viel Mühe konnte ich einen Fortbildungszyklus für die Lehrer organisieren. Es ist stets sehr schwer, die Lehrer für solche Fortbildungen zu motivieren, wenn die Lehrer dann aber erst einmal dabei sind, machen sie auch begeistert mit. Wir üben zum Beispiel Lernspiele für die Erstklässler ein.
Das Hauptthema war dieses Mal der menschliche Körper. Die Kenntnisse der Lehrer hier zu festigen und zu vertiefen, scheint dringend nötig zu sein. Bei einem Vortest konnten über die Hälfte der Lehrer in einer Schemazeichnung wichtige Organe wie Leber, Herz und Lunge nicht korrekt zuordnen.

3. Vermessungen der Grundstücke
Wir ordnen die Grundstückspapiere, um die Grundstücke tabellarisch den behördlichen Papieren zuzuordnen und ggf. Ergänzungen vorzunehmen.
Beim Versuch, die Grundstücke mittels eines portablen GPS-Systems via Satellitenortung zu vermessen bin ich leider noch nicht viel weiter gekommen, zum einen aus Zeitmangel, zum anderen wegen technischer Schwierigkeiten.
Es gelang mir nicht ausreichend gute Messdaten zu erhalten. Das Gerät zeigte zwar stets eine Menge Satelliten an, die aber anders als bei den Versuchen in Deutschland zu keiner einigermaßen ausreichend genauen Positionierung führten, die für eine exakte Erhebung von Vermessungsdaten notwendig ist. Ich werde einen erneuten Versuch unternehmen, und mir dann die nötige Zeit nehmen, die dafür offenbar nötig ist.

4. Landwirtschaft
Wir haben einen lokalen Helfer eingestellt und seine Stelle wegen guter Erfahrungen auf einen Vollzeitposten aufgestockt.
Die Kinder sind jetzt in den Ferien zwei mal pro Woche in der Landwirtschaft eingeteilt, wegen der Sommerhitze kann man aber keiner Gruppe mehr als zwei Stunden Arbeit im Freien zumuten.
In unserem Gemüsegarten wachsen bereits jede Menge Auberginen, im Schulgarten scheinen die Papayas zu gelingen und gestern wurde neben dem Fußballplatz ein großes Bohnenfeld bepflanzt.
Wir suchen weiter einen Agrartechniker. Es wurde uns empfohlen, eine Stellenausschreibung über das Radio bekannt zu machen. Außerdem hat der Direktor der Caritas versprochen, für uns die Augen offen zu halten.

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