Reisebericht von Anke Brügmann 2011

1. August 2011
Bericht aus Haiti von Anke Brügmann, Teil 2

5. Zukunft der Sekundarschüler
Insgesamt haben 14 Schüler die Prüfung der 6. Klasse abgelegt, davon 6 Waisenkinder. Ob sie bestanden haben, werden wir erst später erfahren. Bei einigen älteren Schülern, deren Schulausbildung abgeschlossen ist, wollen wir versuchen, sie in eine Berufsausbildung zu übernehmen.
Nach vielen langen Sitzungen haben wir uns folgende Lösung für Sekundarschüler überlegt, die nicht in die anspruchsvollere Mazenodschule gehen können: Sie sollen in Beaumont in die Laprovidence-Schule gehen. In dieser Schule wollen wir nur den Hauptschulabschluss anstreben. Gute Schulen nehmen keine Quereinsteiger auf. Auf die Mazenodschule wollen wir nur diejenigen schicken, die das Zeug zum Abitur haben. Wer in einer bereits wiederholten Klasse durchfällt, muss auf eine Berufsausbildung umsteigen.
Um die Schule für eine Lehre zu verlassen, sollte ein Schüler mindestens 15 Jahre alt sein. Für eine Anstellung in ein richtiges Arbeitsverhältnis muss er 18 Jahre alt sein.
Die voraussichtliche Bilanz: 7 Schüler in Camp-Perrin sind auf dem Weg zum Abitur, 4 Schüler sind in einer Berufsausbildung, 5 Schüler in der Laprovidence-Schule in Beaumont sind auf dem Weg zum Hauptschulabschluss.

6. Abschluss des alten und Planung des neuen Schuljahres
Die Abschlussexamen des alten Schuljahres erforderten wieder viel Arbeit bei den Korrekturen. Am Tag vor der Zeugnisausgabe hatten wir wieder einen schönen Aktionstag mit Filmvorführungen, Spielen und einem Fußballturnier.
Schwierig waren wieder die Neueinschreibungen. Obwohl wir nirgends Reklame gemacht hatten, war der Hof voller Kandidaten, für die wir kaum Plätze haben. Oft waren es wirklich Bedürftige. Ich musste aber auch Scharen von Bewerbern wegschicken, die von den anderen Schulen Beaumonts auf unsere Schule wechseln wollten.
Im neuen Schuljahr werden wir voraussichtlich wieder etwa 246 Schüler haben, die Vorschulklasse doppelt, erste und zweite Klasse, geteilt, 3.-6. Klasse einfach. Es fehlt vor allem an Raum für die Schüler. In der Halle von Haus B werden wieder 2 Gruppen sitzen und auch das Lehrerzimmer ist mit einer Klasse belegt.

7. Waisenhaus
Leider war es diesmal mangels Zeit nicht möglich für die Kinder aus dem Waisenhaus in den großen Ferien Gruppenausflüge zu organisieren. Ich versuche daher, vermehrt Ausgang in Kleingruppen zu organisieren. Im Moment läuft die Ferienschule in 7 Gruppen an drei Stunden vormittags. Wir haben dazu wieder 7 Lehrer angestellt.
Wir haben mehrfach über Neuaufnahmen diskutiert. Besonders zwei Cholerawaisen aus dem abgelegenen Bergdorf Tardieu bräuchten dringend Hilfe. In der Familie eines unserer Patenkinder haben sich die Eltern getrennt und sind jeweils zu neuen Partnern gezogen. Dadurch hat einer unserer 6-jährigen Jungen jetzt 2 jüngere Geschwister zu versorgen und kommt kaum mehr zur Schule. Man kann die Not dieser Kinder kaum mit ansehen, trotzdem müssen wir sehr gut überlegen, ob wir zusätzliche Belastungen in Kauf nehmen können, um weiteren Kindern zu helfen.

8. Stuhlprojekt
Wir hatten schon lange vor einige Kinder die Fabrikation von Stühlen lernen zu lassen. Stühle fehlen hier immer, weil sie schnell kaputt gehen. Diese Produktion ist eine ländliche Tradition, die man erhalten sollte. Die Stühle sind aus Frenn-Holz (Simarouba glauca) und haben geflochtene Sitzflächen. Wir haben daher bei einem Schmied einfache Werkzeuge bestellt und mit einem Handwerker verhandelt, an den Feriennachmittagen mit einer 8-köpfigen Kindergruppe zu arbeiten, die dann von der Landwirtschaft und vom Nähen befreit sind. Die Kinder sollen auf diese Weise manuelle Fähigkeiten entwickeln. Nebenbei können wir beobachten, wer Geschick in einem Handwerk zeigt.

9. Container
Der Container ist angekommen, nach vielen Behördenbesuchen mussten wir leider doch den Zoll bezahlen. Es ließ sich nicht mehr anders machen. Wir lassen uns nun von Leuten beraten, die öfter Container entzollen.

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