Reisebericht von Anke Brügmann 2011

Bericht aus Haiti von Anke Brügmann, Teil 3

10. Lehrer
Es ist sehr schwierig gute Lehrer zu finden. Möglicherweise werden uns einige verlassen, sobald sie eine staatliche Stelle angeboten bekommen. Aus unserem Stipendiatenprogramm wird ein Lehrer fertig und von unserem Riesenstapel an Bewerbungen kommt eine Lehrerin mit fertiger Ausbildung in Frage.

11. Buchhaltung
Der neue Buchhalter hat sich gut eingearbeitet, ich habe ihn probeweise auf 50 % aufgestockt. Bisher hatte er die Berichte mit den Verantwortlichen zusammen gemacht, also noch keine Verantwortung übernommen. Das soll sich jetzt ändern. Wir kommen gut mit ihm aus, und er steht immer zur Verfügung, wenn es mal etwas länger geht.

12. Erstkommunion
Anfang Juli hatten wir Erstkommunion im Waisenhaus. Es war ein schönes Fest mit Gästen, Festessen, Tanz und vielen Spielen.

13. Reparaturen
In Waisenhaus und in der Schule sind wieder jede Menge Reparaturen und Ergänzungen notwendig. Kaum ein Fenster oder eine Tür lässt sich richtig schließen, es fehlt an Betten, Schränken und Bänken. Ich habe einen Kostenvoranschlag erstellen lassen, um eine Übersicht über die Kosten der Reparaturen zu bekommen.

14. Anschaffung von Geräten
Wir brauchen dringend ein Ladegerät für die Batterien, das mit dem Strom aus dem Generator die Batterien der Anlage auflädt. Bisher arbeiten wir mit einem sporadisch geliehenen Gerät, das nur sehr schlecht lädt, weil es zu klein ist. Außerdem brauchen wir dringend einen Ersatz für das kaputte Antennenempfangsteil. Der Besitzer des geliehenen Teils will seins wieder zurück; wir haben einen Tipp für ein gebrauchtes Teil bekommen, mal sehen, ob das klappt.
Dann bräuchten wir gelegentlich einen Laptop. Der alte Laptop hat manchmal Schwierigkeiten, anzuspringen. Er hat ja auch wirklich viele Jahre fleißig unter schwierigen Bedingungen gearbeitet. Ich würde ihn gerne zu Übungszwecken für unsere großen Kinder und Jugendlichen nach Camp-Perrin geben. Der neue Laptop bleibt dann als Projektgerät in Beaumont. An die deutsche Tastatur hat sich hier jeder gewöhnt.
Unsere Kinder haben seit langem ein Radio verdient, wenigstens zu ausgewählten Zeiten und zum Nachrichtenhören. Eins für Camp-Perrin und eines für Beaumont, möglichst kein Batteriebetrieb wegen der Entsorgungsprobleme. Optimal wäre ein 12 Volt-Gerät. Und vor allem saalfüllende Lautsprecher, die Möglichkeit zum Abspielen von Musik-CD’s wäre toll.
Für die Zukunft wäre es auch toll einen Beamer zu haben, plus Lautsprecher für den Laptop und eventuell einen DVD-Player. Bisher kann ich kann immer nur Gruppen von bis zu 10 Kindern Filme zeigen, vor allem, weil der Ton unserer kleinen Lautsprecher nicht ausreicht. Gut wäre eine Anlage, die es mir ermöglicht, auch mal einen Film für größere Gruppen abzuspielen, ohne dass dafür der Laptop blockiert ist.

15. Berufsausbildungen
Da wir noch keinen eigenen Lehrbetrieb haben, müssen wir uns außerhalb umsehen. Das erfordert wohl noch einmal schwierige und teure Arrangements betreffend Aufsicht, Kost, Logis, Reisen und Schulgeld. Aber ich denke, es ist wichtig, dass wir die Waisen nicht ohne eine Ausbildung auf die Straße setzen. Dazu brauchen wir Fachkräfte für den eigenen Betrieb.
Die Jungs wollen meist Automechaniker werden. Das Problem ist jedoch, dass es bereits Scharen von arbeitslosen Automechanikern gibt. Wer die Automechanik nicht nach der 12. Klasse in einem anerkannten Betrieb gelernt hat, rennt in der Regel den ganzen Tag an irgendeiner Kreuzung Zufallskunden hinterher, die einen Reifen- oder Ölwechsel brauchen. Andere Berufe sind leider kaum bekannt oder gelten als nicht attraktiv.
An Ausbildungsstätten wollen wir überprüfen:
a) Die Berufsschule St. Joseph in Jeremie, sie gehört der Kirche, leider ist sie derzeit geschlossen. Es gibt hier einen interessanten Ausbildungszweig, der vielversprechend angelaufen war: Kunststoffverarbeitung zur Herstellung von Booten und großen Dach-Wasserbehältern. Das letztere würde ganz gut passen.
b) Die Caritas in Jeremie betreibt ein großes Agrarprojekt: Ich habe lange mit dem Direktor geredet. Leider gibt es dort derzeit keine Ausbildungsmöglichkeiten, weder Lehre, noch Seminare, noch Schule, noch Praktikum.
c) Eine Landwirtschaftstechnikschule in der Nähe von Jeremie. Dort war ich nach viel gutem Zureden erfolgreich. Die haben zwar auch die 12. Klasse als Zugangsvoraussetzung, sie würden aber für eines unserer Waisenkinder, das in der Schule sehr gute Leistungen zeigt, eventuell eine Ausnahme machen, soweit es vormittags weiter auf eine reguläre Schule geht. Der Landwirtschaftsabschluss ist staatlich anerkannt. Die Schule wurde von der Caritas empfohlen.
d) Copax, eine große metallverarbeitende Werkstatt auf der anderen Seite von Camp-Perrin: Die Gespräche mit der Schule laufen.
e) Ein kirchliches Landwirtschaftsprojekt in La Borde zwischen Camp-Perrin und Jeremie: auch hier bin ich in Gesprächen mit der Projektleitung.
f) Die neue Berufsschule von Franz Groll in Leogane: Ich nehme an, dass die auch die 12. Klasse als Zugangsvoraussetzung haben, ich werde es aber trotzdem mal versuchen.
g) Das Projekt in Liancourt, dort werden u.a. Komposttoiletten hergestellt.

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