Leonie Riegger berichtet bei Schülerwettbewerb über Menkontre

Leonie Riegger, eine Schülerin der Klasse 7a am Sankt-Meinrad-Gymnasium in Rottenburg am Neckar, schrieb im Oktober 2010 einen Bericht über die Arbeit der Vereinsvorsitzenden Anke Brügmann. Der Bericht entstand im Rahmen des Europäischen Wettbewerbs, einem der ältesten und renommiertesten Schülerwettbewerbe Deutschlands. Näheres zum Wettbewerb finden Sie auf der Homepage der Organisation.

Leonie führte ein Interview mit der Vereinsgründerin und -Vorsitzenden Anke Brügmann, das gut erklärt, wie der Verein entstanden ist und für welche Ziele er sich einsetzt.

Interview mit Dr. Anke Brügmann am 23. 10. 2010

Leonie: Wie bist du nach Haiti gekommen?
Anke: Ich habe für Hilfsorganisationen – u.a. Ärzte ohne Grenzen – als angestellte Ärztin auf Haiti gearbeitet. Bei einem Besuch auf Haiti baten mich Einheimische, die ich durch meine Arbeit als Ärztin kennengelernt hatte, um meine Mithilfe bei der Errichtung eines Waisenhauses. Dies war im November 2001. Wie du weißt, blieb es dann nicht bei dem Waisenhaus allein, sondern es kamen die anderen Projekte hinzu.

Leonie: Wie kamst du auf die Idee einen Verein zu gründen und woher kommen die Mitglieder?
Anke: Ich habe mit Freunden und Bekannten über das Waisenhaus und die Lage auf Haiti gesprochen. Dabei boten einige ihre Hilfe an. Wir kamen auf die Idee, bei einer öffentlichen Veranstaltung im Gemeindehaus in Wolfach über die Lage Haitis und dem Waisenhaus zu berichten. Allein nach dieser Veranstaltung kamen 20 neue Leute dazu. Dies war der Anfang unseres Vereines. Daher kommen die meisten Mitglieder aus Wolfach und Umgebung. Darüber hinaus habe ich in der Zeit vor dem Erdbeben auf Einladung von Schulen, Vereinen etc. Informationsveranstaltungen abgehalten und so auch außerhalb z.B. in Rottenburg Mitglieder gewonnen.

Leonie: Wie oft warst du vor dem Erdbeben pro Jahr auf Haiti und wie hast du das mit deinem Beruf dann geregelt?
Anke: Ich war pro Jahr dreimal auf Haiti und habe meine sichere Stelle gegen flexible Einsätze als Notärztin eingetauscht. Seit Januar dieses Jahres war ich ständig auf Haiti, da es dort sehr viel zu tun gab. Seither habe ich kein eigenes Einkommen mehr.

Leonie: Können alle Kinder auf eure Schule gehen?
Anke: Auf unsere Schule können alle Kinder, die sich keine Schule leisten können, gehen.

Leonie: Woher kommen die Lehrer, Mitarbeiter im Waisenhaus etc. ?
Anke: Es sind Einheimische. Ich bezahle z.B. jungen Leuten die Ausbildung zu guten Lehrern. Alle übrigen Mitarbeiter – wie z.B. auch unsere Köche/innen werden ausgewählt und auf ihre Jobs vorbereitet. Bei Reparaturarbeiten unserer Häuser helfen auch Vereinsmitglieder, die ihren Urlaub dafür einsetzen.

Leonie: Wie veränderte sich die Situation nach dem Erdbeben?
Anke: Wir kochen täglich für 300 Leute und das Alter der Kinder im Waisenhaus liegt zwischen 1-21 Jahren. Es werden immer mehr Leute.

Leonie: Wann fliegst du wieder nach Haiti ?
Anke: Am Sonntag, den 31.10.10, weil ich mit Silvens, einem 15 jährigen Jungen zu seiner vierten Operation nach Kuba fliegen werde. Mit Silvens war ich im Januar auch auf dem Weg zum Flughafen in Port-au-Prince als wir vom Erdbeben überrascht wurden. Silvens ist ein Junge, der mir sehr ans Herz gewachsen ist und dem ich mit den Operationen schon sehr helfen konnte.

Leonie: Gibt es schon Pläne für ein nächstes Projekt?
Anke: Oh ja, die gibt es. Wir wollen eigene Ressourcen nutzen.

Leonie: Hä?!?! Was sind Ressourcen?
Anke: Wir haben bei unseren Häusern viele landwirtschaftlichen Flächen mit z.B. Früchten. Diese könnten zur Herstellung von Marmelade und Fruchtsaft für die eigene Ernährung genutzt werden. Und es würde Arbeitsplätze für unsere Kinder, die mit der Schule fertig sind, schaffen. Wir könnten damit zwei Bereiche – Schaffung von Arbeitsplätzen und Unabhängigkeit bei der Nahrungsversorgung – sinnvoll miteinander verknüpfen.

Leonie: Es gibt bestimmt noch sehr viel zu fragen, aber ich denke, dass du mir mit diesem Interview einen Einblick in deine bisherige und zukünftige Arbeit gegeben hast. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft bei deiner Arbeit und bewundere dich für deinen Einsatz.