Wie geht es weiter in Beaumont? Informationen dazu gibt es auf der Hauptversammlung in Wolfach

Rundbrief und Einladung zur Hauptversammlung 2013

Januar 2013

Rundbrief und Einladung zur Jahreshauptversammlung
am Samstag den 9. März 2013 um 18 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Wolfach

Tagesordnung:

1. Begrüßung

2. Jahresbericht Deutschland 2012

3. Jahresbericht Haiti 2012

4. Kurze Bildpräsentation

5. Kassenbericht 2012

6. Geplante Aktivitäten Deutschland 2013

7. Geplante Aktivitäten Haiti 2013

8. Vorstandswahl

9. Verschiedenes

*************************************************

Liebe Freunde, Mitglieder, Paten und Spender,

wir möchten Sie ganz herzlich zu unserer Jahreshauptversammlung einladen. Es wäre schön, wenn viele von Ihnen kommen könnten. Wir möchten Sie über unsere Projekte informieren und Ihnen die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch geben. Da ich immer weniger in Deutschland bin, freue ich mich besonders, Freunde und Mitglieder bei dieser Gelegenheit wiederzusehen. Auch Nichtmitglieder sind herzlich eingeladen. Falls Sie noch Mitglied werden wollen, finden Sie das Antragsformular auf unserer Homepage, oder können es sich durch uns zuschicken lassen. Das Protokoll der Versammlung können Sie anschließend bei uns anfordern oder im Internet nachlesen. Auf unserer Homepage www.menkontre.de können Sie auch immer wieder aktuelle Informationen nachlesen.

Zusammen mit diesem Brief erhalten Sie die Spendenbescheinigung. Manchmal sind die Spenden auf den Kontoauszügen nicht eindeutig zuzuordnen (die Spenderadresse muss im Feld „Verwendungszweck“ eingetragen werden, sonst kann die Bank sie nicht übermitteln), da freuen wir uns über Rückmeldungen. Während des Jahres verschicken wir Informationen kostensparend als E-Mail. Bitte teilen Sie uns ihre Mailadresse mit, wir behandeln Sie vertraulich und verschicken Rundbriefe nur als Blindkopie. Wenn wir länger als zwei Jahre nichts von Ihnen gehört haben, nehmen wir Sie aus der Verteilerliste. Natürlich können Sie uns jederzeit mitteilen, wenn Sie nicht mehr informiert werden wollen. Auf unserer Homepage www.menkontre.de können Sie sich über unsere Projekte in Beaumont informieren.

Das vergangene Jahr war leider vor allem durch Planungsunsicherheit geprägt. Seit Januar bekamen wir immer wieder unterschiedliche Informationen über den Verlauf der neuen Nationalstraße. Durch diese ungünstigen Umstände mussten viele dringende Renovierungen und Erweiterungen unserer Anlage aufgeschoben werden, da wir nicht wussten, wo in Zukunft unser Standort sein wird. Im Mai wurde scheinbar endgültig beschlossen, dass die Trasse direkt am Waisenhaus vorbeiführt. Im weiteren Verlauf wurde auch viel planiert, eingerissen und enteignet. Wir hatten uns daher schweren Herzens entschlossen, den jetzigen Standort für Waisenhaus und Schule aufzugeben. Wir wollen die bestehenden Gebäude für die Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten, Werkstätten und betreutes Wohnen für junge Erwachsene nutzen.

Als Präsident Martelly Beaumont besuchte, habe ich die Gelegenheit wahrgenommen, ihn um ein Stück Staatsland für unsere Schule zu bitten. Das haben wir dann auch tatsächlich erhalten. Nur das Grundstück für das Waisenhaus macht noch Schwierigkeiten, wir sind weiter in Verhandlungen um zwei mögliche Grundstücke. Die Stadt Beaumont ist sehr an unserem Standortwechsel interessiert, da man hofft, dass wir südlich von Beaumont die Quellen der Stadt schützen. Im Sommer war Herr Herdemerten bei uns, ein Bauingenieur vom SES (Senior-Experten-Service), hat Vermessungen durchgeführt, das Gelände beurteilt und erste Planungen durchgeführt. Im August hat sich dann die Straßenbaufirma mit dem Staat zerstritten und schließlich das Projekt aufgegeben. Damit wussten wir wieder einmal nicht, wie es weiter gehen soll, obwohl ich ständig Kontakt zu den verantwortlichen Ingenieuren und zum Verkehrsministerium hatte. Der aktuelle Stand der Nationalstraße ist ziemlich unbefriedigend. Die Baumaschinen haben das Land verlassen. Dennoch ist überall Baustelle, aufgerissenes Bergland und Schlammwüste. Täglich passieren schlimme Unfälle, weil Autos stecken bleiben oder abstürzen. Die Bewohner unserer Gegend sind mehr von der Außenwelt abgeschnitten denn je. Am Rand der Straße sieht man überall die Ruinen der Häuser, die für den Straßenbau abgerissen wurden. Diese Situation führt auch zu großer Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die für den Straßenbau Opfer brachte, ohne dass es jetzt vorwärts geht. Deswegen kam es in unserer Gegend zu gewalttätigen Demonstrationen mit Toten. Es wird mir von allen Autoritäten versichert, dass es 2013 auf der zuletzt geplanten Trasse weitergehen soll, aber keiner weiß wann oder mit welcher Baufirma. Da sind wir vor Überraschungen einfach nicht sicher. Unter solchen Bedingungen müssen wir mit größeren Investitionen bis zu einer endgültigen Klärung warten. Dennoch treiben wir die Planungen voran, denn unser überfülltes Waisenhaus mit 75 Kindern in sehr unterschiedlichen Altersgruppen braucht dringend Platz und funktionellere Strukturen.

Viele Monate haben wir uns Sorgen um unseren schwerkranken Lucner gemacht, bei dem schließlich eine sehr ernste neurologische Erkrankung festgestellt wurde. Durch die medikamentöse Behandlung geht es ihm nun besser, er kann auch wieder aufstehen, aber die Krankheit wird ihn wohl lebenslang begleiten.

Unsere Schule hatte im Juli wieder einen besonderen Erfolg: Unsere Abschlussklasse hat zum dritten Mal in Folge komplett die staatliche Abschlussprüfung nach der 6. Klasse bestanden. Einige der Schulen unserer Stadt konnten keinen einzigen ihrer Kandidaten durch die Prüfung bringen, und viele Schulen hatten nicht einmal 50% Erfolgsquote. Unsere Schüler waren überglücklich über dieses Ergebnis. Sie können jetzt eine weiterführende Schule besuchen. Trotzdem sind wir im Zweifel, ob wir dieses Niveau halten können, denn das Schulministerium hat das Schuljahr noch mal um einen Monat verkürzt. Diesmal gab es auch keine Sondergenehmigungen mehr für uns. Im Gegenteil: Das Unterrichten in den jetzt über drei Monate dauernden Sommerferien wurde regelrecht verboten. Es ist mir wirklich schleierhaft, wie ich den unverändert sehr anspruchsvollen Lehrplan auf noch weniger Unterrichtszeit verteilen soll. Viele Schüler scheitern am Erlernen der Fremdsprache Französisch, an der fehlenden Übungszeit in Mathematik, und am Beschränken der Natur- und Sozialwissenschaften auf das Auswendiglernen der wichtigsten Merksätze. Alles was Spaß macht und Kreativität fördert, wie z.B. die musischen Nebenfächer, wird wegrationalisiert.

In der Landwirtschaft sammeln wir nun Erfahrungen mit dem Anbau größerer Flächen, und versuchen immer mehr Lebensmittel für Waisenhaus und Schule aus der eigenen Produktion zu decken, obwohl es nicht einfach ist, aus dem steinigen Land in Handarbeit gute Ernten rauszuholen. Es wird nun systematischer Gemüse angebaut. Besonders wichtig sind auch Grundnahrungsmittel wie Mais, Bohnen, Kochbananen und Jams. Erdnüsse und Maniok sind für die Weiterverarbeitung vorgesehen. Im Herbst hat der Wirbelsturm Sandy einen Teil unserer Ernte vernichtet. Etwa die Hälfte der Bananen und des Mais lag am Boden. Trotzdem sind wir im Vergleich mit der Umgebung noch glimpflich weggekommen. Herr Barkow vom SES war 2012 zweimal in Haiti und hat ausgezeichnete Arbeit geleistet. Es ist dringend notwendig, dass er weiterhin die Landwirtschaft beaufsichtigt, da unser lokales Personal noch nicht ausreichend eigenverantwortlich arbeitet.

Der Container, den Georg und Silvia Lehmann wieder zusammen mit der Frauengemeinschaft Schapbach gepackt haben, wird jetzt im Januar eingeschifft. Er enthält außer Matratzen und Decken aus dem Krankenhaus Wolfach auch eine Ölpresse zur Herstellung von Speiseöl aus Erdnüssen mit.

In zwei Tagen werden wir wieder nach Haiti aufbrechen. Diesmal werde ich von einem vierköpfigen Helferteam begleitet. Aus dem Vorstand werden Dr. Fritz Schondelmaier als Orthopäde und Günther Stuffler als Architekt dabei sein. Außerdem haben sich zwei Zahnärzte bereiterklärt, ehrenamtlich zwei Wochen lang unsere Kinder und Schüler zu behandeln. Von Beaumont aus ist der nächste Zahnarzt mehrere Autostunden entfernt, für die meisten unserer Kinder unerreichbar. Wir haben eine mobile Zahnbehandlungseinheit gekauft, die uns ermöglicht, immer wieder einen Zahnarzt nach Beaumont zu holen, statt die vielen Kinder mühsam in die Stadt zu bringen.

Wir danken allen Spendern, Helfern und Interessenten ganz herzlich. Es haben sich wieder viele für uns eingesetzt. Es gab Veranstaltungen, Vortrage und Schüleraktionen.

Der Arbeitsaufwand steigt ständig und ist kaum noch zu bewältigen. Wir freuen uns über jeden, der bereit ist, in Deutschland oder Haiti mit anzupacken. Besonders bei Verwaltungsarbeiten und Organisation von Veranstaltungen fehlt es auch in Deutschland noch an Mitarbeitern. Auch in Haiti sind wir auf ehrenamtliche Mithilfe angewiesen, und freuen uns immer über Helfer aus verschiedenen Berufsgruppen, die einmal für ein paar Wochen ein Programm durchführen.

Herzliche Grüße

Anke Brügmann