Den Kindern beim Lernen zu helfen und bei den Hausaufgaben war eine der Hauptaufgaben von Stefan Willeitner. Die Kinder sprechen kreolisch und lernen erst in der Schule allmählich französisch. Wegen des Ausbaus der Nationalstrasse ist ein Neubau des Heimes und der Schule auf einem ruhigeren Gelände unumgänglich. Dort haben wir erste Vermessungen durchgeführt. Das war auf dem steinigen Gelände nicht ganz einfach. Mit einfachen Aktiviäten wie dem Basteln von Weihnachtssternen ließen sich die Kinder und selbst die Jugendlichen begeistern. Auf dem Bild sieht man ein Mädchen, das sich nach einem Sturz im Gesicht verletzt hatte und dann gut versorgt wieder nach Hause gehen konnte. Während der Regenzeit kann es ganz ordentlich schütten. Alles ist klamm und auch die gewaschene Wäsche wird nicht richtig trocken. Meine Schuhe waren feucht und haben Schimmel angesetzt. Mit einfachen Aktivitäten wie dem Suchen von Bonbons, Basteln und allen Arten von Spielen ließen sich die Kinder und Jugendlichen begeistern. Ein beliebtes Spiel bei den Kindern ist es, mit den Deckeln von Plastikflaschen zu schnipsen oder einen Plastikring mit einem Stock anzutreiben.

Verletzte Polizisten behandeln und ein Auftritt als Nikolaus – Was der Lehrer Stefan Willeitner bei seinem mehrmonatigen Aufenthalt in Haiti erlebte

Der Lehrer Stefan Willeitner verbrachte ab Oktober 2014 rund ein halbes Jahr in Haiti. Hier berichtet er über seine Eindrücke und Erfahrungen von diesem Aufenthalt im Heim von Pwojè men kontre:
Nach langem Flug sind Anke Brügmann und ich planmäßig in Port-au-Prince, der Hauptstadt von Haiti, gelandet. Mein Gepäck kam erst mit dem nächsten Flugzeug aus Miami, die Unterlagen für meine Aufenthaltserlaubnis reichten der zuständigen Behörde nicht. Ich bekam die Aufenthaltserlaubnis erstmal nicht, sondern musste erst mal mit dem dreimonatigen Touristenvisum vorlieb nehmen. Dafür war die Begrüßung umso herzlicher, als wir nach etlichen Stunden Autofahrt in Beaumont ankamen.

Auffallend, wie liebevoll die Kinder und Jugendlichen miteinander umgehen
In einem Heim, in dem über 70 Kinder und Jugendliche zusammenleben, geht es nicht immer konfliktfrei zu. Aber obwohl sehr viele von ihnen aus sehr schwierigen Familienverhältnissen kommen, habe ich nur wenige größere Auseinandersetzungen erlebt. Besonders ist mir aufgefallen, wie liebevoll die Kinder und Jugendlichen oft mit den Kleinsten umgingen und wie sie sich mit ihnen beschäftigten, auch die älteren Jugendlichen.

Polizisten bevorzugen die Krankenstation von Dr. Anke Brügmann
Das Heim verfügt über eine kleine Krankenstation. Wenn Anke Brügmann da ist, werden immer wieder kranke Menschen gebracht. Sogar die Polizei kam einmal mit einem verletzten Beamten lieber zu ihr, als ins örtliche Krankenhaus, das nicht so gut ausgestattet ist. Eine meiner ersten Tätigkeiten war die Assistenz bei einem Notfall. Eine Frau wurde am Knie genäht und ich durfte unter anderem die OP-Haken halten. Einmal kam ein Mädchen, das sich nach einem Sturz im Gesicht verletzt hatte (siehe Foto) und dann gut versorgt wieder nach Hause gehen konnte.

Schwierige Vermessungsarbeiten auf dem steinigen Gelände des Neubaus von Heim und Schule
Direkt am Gelände von Heim und Schule wird die Straße breit ausgebaut. Für die externen Schulkinder ist diese Straße aber oft der einzige Schulweg. Deshalb ist der Neubau des Heimes und der Schule auf einem ruhigeren Gelände unumgänglich. Dort haben wir erste Vermessungen durchgeführt. Das war auf dem steinigen und bewachsenen Gelände nicht ganz einfach. Für den Neubau müssen unter anderem auch Felsen gesprengt werden.

Hausaufgabenhilfe war eine meiner Hauptaufgaben
Eine meiner Hauptaufgaben war die Hilfe beim Lernen in der Schule und bei den Hausaufgaben. Die Kinder sprechen kreolisch und lernen erst in der Schule allmählich französisch. Wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, können sich Krankheiten schnell ausbreiten. Wenn Anke Brügmann in Deutschland war, habe ich mich nach ihren Anweisungen um die Kranken gekümmert.

In der Regenzeit bleibt das Auto schon mal im Schlamm stecken
Während der Regenzeit kann es ganz ordentlich schütten. Alles ist klamm und auch die gewaschene Wäsche wird nicht richtig trocken. Meine Schuhe waren feucht und haben Schimmel angesetzt. Manche Kinder nehmen einen zweistündigen Fußmarsch auf sich, um in die Schule zu kommen. Nachdem ich einmal bei strömendem Regen Kinder nachhause gefahren hatte, bin ich mit dem Auto im Schlamm steckengeblieben. Mühsam habe ich dann mit Hilfe von zwei Einheimischen das Auto aus dem Schlamm ausgegraben, damit ich wieder zurückfahren konnte.

Die Kinder lieben einfache Spiele, zum das Schnipsen mit Flaschendeckeln
Ein beliebtes Spiel bei den Kindern ist es, mit den Deckeln von Plastikflaschen zu schnipsen oder einen Plastikring mit einem Stock anzutreiben. Wenn ich dagegen an unsere übervollen Kinderzimmer denke…
Mit so einfachen Aktiviäten wie dem Suchen von Bonbons oder dem Basteln von Weihnachtssternen ließen sich die Kinder und Jugendlichen begeistern. Natürlich auch mit Ausflügen und allen Arten von Spielen.

Am 6. Dezember spiele ich für die Kinder den Nikolaus
Spaß hat es mir auch gemacht, am 6. Dezember als Nikolaus verkleidet die Schuhe der Kinder zu füllen oder ein Krippenspiel einzuüben und an Weihnachten aufzuführen, das Anke Brügmann und ich geschrieben haben. Das Foto zeigt Kinder, die für ihren Auftritt eingekleidet werden.

Die bewegende Taufe meiner beiden neuen Patenkinder
Bewegend war für mich die Taufe meiner beiden neuen Patenkinder. Meine Zeit in Haiti war nicht immer einfach. Neben Verständigungsschwierigkeiten sind unterschiedliche Mentalitäten und Auffassungen aufeinandergetroffen. Ich denke aber gerne und dankbar an die Zeit zurück. Es wird nicht meine letzte Reise nach Haiti gewesen sein.