Vor jedem Schulbeginn muss im offenen Klassenzimmer das knöcheltief stehende Regenwasser abgeschöpft werden. Die Zubereitung des Essens unter freiem Himmel wird vom schlechten Wetter stark beeinträchtigt. Wir haben es geschaffft fünf Kantinentage einzurichten, an denen unsere Schüler eine warme Mahlzeit erhalten.

Schwieriger Schulanfang nach Hurrikan Matthew

2. November 2016 – Men kontre war die erste Schule, die nach dem Zyklon wieder eröffnet wurde, nämlich zwei Wochen danach, nachdem die deutschen Engineers without borders die meisten Klassenräume sehr schnell repariert hatten. Die Schüler kamen zwar sofort zahlreich, aber nicht vollständig, so daß es schwierig ist, alle wieder auf das gleiche Niveau zu bringen. Dazu kommen viele schlimme Regentage, an denen nur ein Teil der Schüler kommen kann, so daß wir gar nicht mehr wissen, wo man ansetzen soll. Hier im Ortsteil Fontrankil war es noch mühsamer: Nach dem ersten relativ gut besetzten Schultag hat man mir ein paar Cholerafälle direkt hinter unserem Container abgeladen, etwa zehn Meter entfernt von unserer offenen Schulkantinenküche, ohne die empfohlenen Hygienemaßnahmen. Deswegen musste ich die Waisenkinder ein zweites Mal evakuieren und die Schule wieder schließen. Eltern und Kinder waren dadurch verunsichert und verängstigt, und als ich schließlich mühsam zwei provisorische Klassenzimmer über einen schwierigen Weg hintenherum zugänglich machte, kamen längst nicht alle.

Im Klassenzimmer muss jeden morgen das Regenwasser abgeschöpft werden
Der Schulhof war nicht benutzbar und das Kantinenfeuer unter freiem Himmel wurde vom Regen beeinträchtigt. In dem nur provisorisch mit einer Plane abgedeckten Klassenzimmer steht das Wasser jeden Morgen knöcheltief und muss erst einmal ausgeschöpft werden, bevor der Unterricht losgehen kann. Immerhin wurden in den niedrigeren Klassen in Fontrankil die Schulbücher gerettet, weil die Kleinen noch keine Bücher mit nach Hause bekommen hatten und ich alles am Vorabend des Zyklons sicher in einen neuen Schrank aus dem gerade angekommenen Container sortiert hatte, der zwar im Wasser schwamm, aber standhielt. Unten bei den großen Kindern im Ortsteil Nan Ginen sieht das anders aus: Die Schulbücher sind kostenlose Leihgabe der Menkontre-Schule, kaum ein Schüler konnte etwas davon retten, und die Bücher stehen nicht unbegrenzt zum Nachkauf zur Verfügung. Viele unserer Schüler leben noch in Notunterkünften.

Viele Klassenzimmer sind noch von Obdachlosen belegt
Viele Schüler haben in Folge des Zyklons Atemwegsinfektionen oder Durchfallerkrankungen, viele haben nichts Ordentliches zum Anziehen. Auch da ist die Menkontre-Schule eine Ausnahme, weil wir die Schüler auch ohne tadellose Uniform mit entsprechenden Schuhen empfangen. Manchmal sage ich den ungläubig über diese Toleranz den Kopf schüttelnden Eltern, ich bräuchte schließlich den Kopf des Schülers und nicht seine Füße. Nun haben wir 2-3 Unterrichtswochen bei sowieso schon extrem knappem Stoffverteilungsplan verloren. Keine Ahnung, wie wir das aufholen sollen. Es gäbe jetzt viel in der Schule zu tun, aber mein haitianischer Vereinskollege Valleur und ich sind mit Lebensmittelverteilungen, Aufräumarbeiten im Waisenhaus und mit medizinischen Problemen beschäftigt. Wir versuchen, wenigstens einen regelmäßigen Unterricht anzubieten. Das wichtigste ist, daß wir jetzt fünf Kantinentage haben, damit unsere Schüler eine regelmäßige warme Mahlzeit haben. Andere Schulen haben jetzt ganz wesentliche Probleme: Entweder, sie wurden so sehr zerstört, daß die Wiederaufnahme des Unterrichts noch weit entfernt ist, oder sie hatten Betondächer, und dann sind sie voller Obdachloser, die sich weigern, die Klassenzimmer zu verlassen. Wir sind auch schon offiziell gebeten worden, den Familien zu helfen, damit sie die Klassenräume freigeben können. Und immer wieder kündigen mir Leute an, daß sie ihre Kinder nächstes Jahr lieber zu Men kontre schicken wollen, obwohl wir längst am absoluten Limit unserer Kapazität angekommen sind.

Herzliche Grüße, Anke