Noch immer kommen in Folge des Hurrikans Matthew (das Foto entstand kurz danach) neue Patienten, obwohl Anke Brügmann große Mühen hat, sie zu versorgen.

Weihnachten und Jahreswechsel in Haiti: Viel Arbeit und immer wieder neue Patienten

Hallo alle zusammen,

ich möchte mich bei allen ganz herzlich bedanken, die uns so aktiv von Deutschland aus unterstützen. Es ist immer viel Arbeit: Die Kinder wollen dringend ein bisschen Ferien haben, sie halten einen ständig auf Trab. Unser Haushalt besteht immer noch aus unsortierten Pappschachteln, mein Team war über Weihnachten kaum verfügbar, Termine werden sowieso nicht eingehalten, alle Aktivitäten müssen irgendwie bedient werden. Es gibt viel Ärger mit dem Personal, ständig muss ich Patienten versorgen.
Der Computer stürzt alle paar Minuten ab, ein bisschen wackeln genügt, so daß ich kaum arbeiten kann. Die Zahl der unbeantworteten Mails ist auf über 400 angestiegen, obwohl ich ständig versuche, daran zu arbeiten. Unter dem Strich keinerlei Weihnachtsstimmung. Ein bisschen Erleichterung habe ich, weil ich in ein Zelt gezogen bin und so ein wenig aus der Schusslinie bin, aber da habe ich natürlich keinen Strom. Wasser haben wir sowieso nicht.
Das Hausdeckprogramm ist voll im Gange und ein Segen für die Bevölkerung, wir sind etwa bei 50 und wir sparen wo wir können, damit wir mehr als 200 mit dem Budget schaffen. Wir packen Ferienkits für unsere Schüler, haben 1000 Wolldecken in Port au Prince gekauft, planen Saatgutverteilungen für Januar, wir nehmen die Einzäunung der acht Kawo Aufforstungsland in Angriff.
Vor ein paar Tagen habe ich einen kleinen Jungen aus einem abgelegenen Dorf geholt, dessen geisteskranke Mutter ihn verprügelte. Viele Schulen wollen im Januar wieder aufmachen und wie geplant helfen wir bei dem Ersatz des verlorenen Schulmaterials, indem wir Hefte kaufen und eine Ausleihbank für Schulbücher einrichten.
Immer wieder versuche ich, das seit dem Zyklon bestehende kleine Krankenhaus im Zelt zu schließen, weil ich keine Zeit habe, aber es gelingt mir nicht. Im Moment habe ich einen Jungen mit Typhus im Zelt.

Herzliche Grüße, Anke