Dr. Anke Brügmann zum Jahreswechsel 2017/2018

Passend zu Weihnachten zeige ich einige meiner gesammelten Babys.

Eigentlich haben wir offiziell keine Ambulanz, aber seit dem Zyklon kommen täglich Patienten, weil es sonst für 30 000 Menschen keinen Arzt in Beaumont gibt. Das nimmt leider viel zu viel Zeit in Anspruch. Besonders, wenn eine Frau mit Wehen vor dem Tor liegt, kann man die Leute schlecht zurückweisen. So hatte ich in der letzten Zeit immer wieder Entbindungen. Manche Frauen werden aus abgelegenen Bergdörfern ohne Straßenanbindung auf improvisierten Tragen zu uns gebracht, weil es Komplikationen gibt oder die Geburt nicht voran geht. Aus Beaumont kommen manchmal die lokalen Hebammen mit ihren Patientinnen, wenn sie selber nicht weiterkommen. In Ausnahmefällen habe ich die Frauen schon während der Schwangerschaft betreut. Da ich weit und breit den einzigen Ultraschall habe, wünschen sich sehr viele Frauen eine Vorsorgeuntersuchung und betrachten fasziniert den Herzschlag ihres ungeborenen Kindes. Immer wieder sind ganz junge Mädchen dabei, die eigentlich noch Schülerinnen sind und keinen Vater für ihr Kind haben.

Wir sind eigentlich nicht für Geburtshilfe ausgerüstet, haben keine geeigneten Räume, keine Helfer, miserable Hygienebedingungen und können natürlich auch keinen Kaiserschnitt machen. Manchmal gibt es auch richtig gefährliche Situationen für Mutter und Kind.

Anfangs habe ich mich kaum getraut, unter solchen Bedingungen Entbindungen anzunehmen. Ich hatte versucht, soweit ein Auto zur Verfügung stand, die Frauen in die Stadt ins Krankenhaus zu bringen. Da waren sie dann aber oft noch schlechter versorgt und konnten außerdem die Behandlung nicht bezahlen. Die Reise kann nachts auch gefährlich sein, immer wieder gibt es Überfälle. Und letztlich musste ich dann auch schon mal bei Nacht und Nebel auf dem Beifahrersitz entbinden. Deswegen versuche ich es jetzt wenn irgend möglich ohne Transporte.

Die Entbindungen mache ich auf einem mit einer Stoffplane bespannten Feldbett. Wenn es mal ausnahmsweise zwei sind muss eine ins Zelt. Oft kommen die Leute mitten in der Nacht, oft in strömendem Regen. Nicht immer hatten wir Strom. Einmal war die beste verfügbare Beleuchtung ein Teelicht.

Manchmal besaß die Familie noch nicht mal ein Handtuch um das Kleine einzuwickeln, aber glücklicherweise hatte ich etwas Babywäsche in Deutschland gesammelt.

Die Menschen sind sehr dankbar, wenn es dann gut gegangen ist, und für mich ist es auch immer wieder ein Erlebnis, wenn ich das Baby im Hof rumzeigen kann. Die Waisenhauskinder kommen dann gleich angelaufen und bestaunen das Neugeborene.