Weihnachten 2017

Weihnachten im Waisenhaus

Weihnachten ist ein wichtiges Fest für unsere Waisenkinder. Leider habe ich von diesem Jahr noch keine Bilder, aber letztes Jahr war ich in Haiti und kann so doch einen Eindruck geben.

In vielen armen Familien auf dem Lande gibt es kein Weihnachten, die Kinder wissen gar nicht, was das ist, obwohl sich praktisch alle als Christen bezeichnen. Für ein besonderes Essen oder Geschenke fehlt das Geld, ein Christbaum ist sowieso in den Tropen keine Tradition. Wer die Möglichkeit hat, geht in die Kirche, aber wer nichts Ordentliches zum Anziehen hat, traut sich oft nicht.

In den bürgerlichen Familien, steht schon seit November ein künstlicher Christbaum im Wohnzimmer, blinkt in allen Farben bunter Lichterketten und jault oft noch schief und grell die Jingle-bells-Melodie. Am ehesten spricht und singt man noch vom Weihnachtsmann (Tonton Nwèl). Da es zu Weihnachten zwar kühl aber nicht kalt ist, sind viele draußen. Wer Zugang zu der Stadt Beaumont hat, genießt das Treiben auf den Straßen. Es wird überall laute Discomusik gespielt und getanzt. Das ist alles sehr laut, fröhlich und bunt.

Bei uns im Waisenhaus ist das etwas anders. Wir haben natürlich einen Christbaum, letztes Jahr eine kleine Kiefer, sonst meistens eine Kasuarine, die in einen sandgefüllten Eimer gesteckt wird. Die Dekoration ist bunt und glitzernd, Luftballons sind absolut obligat, aber einige Kinder haben auch schon gelernt aus deutschem Goldpapier deutsche Sterne zu basteln. Und auf dem Baum brennen ein paar echte Christbaumkerzen.

Ein besonderer Spaß sind die Wunderkerzen, die nicht erst  zu Silvester vorkommen.

Neben dem Christbaum steht die Krippe, in einer tropischen Vegetation, und damit lässt sich den Kindern tatsächlich am besten die Weihnachtsgeschichte erklären.

Am heiligen Abend zogen die Kinder in den dunklen Saal ein und sangen „Ti pitit la kouche nan krèch la, ann ale.“ (Das kleine Kind liegt in der Krippe, lasst uns gehen.) An diesem Tag gibt es noch keine Bescherung. Es wird die Weihnachtsgeschichte gelesen getanzt, gespielt und gesungen. Die größeren kriegen mit ein bisschen Üben ein paar Lieder sogar vierstimmig hin, ich habe einiges ins Kreolische übersetzt.

Das Krippenspiel im letzten Jahr versetzte die Weihnachtsgeschichte nach Haiti. Maria und Josef waren keine Reisenden, sondern Zyklonopfer, die in einem Unterstand aus zerrissenen Wellblechen hausten. Die Hirten brachten ihnen eine Plastikplane mit, damit sie nicht nass werden. Und da es uns nie an Babys im Waisenhaus fehlt, war auch das Christkind echt.

Das typische Essen zu heilig Abend ist pate, ein heißes Gebäck, das zur Feier des Tages mit Fisch oder Fleisch gefüllt ist.

Zum Abschluss gehen die Größeren zur Christmette, eine Veranstaltung die mehrere Stunden dauert.

Am 25. Dezember ist das eigentliche Weihnachtsfest. Nach der Kirche am Morgen treffen sich alle zum gemeinsamen Festessen, alle Gruppen zusammengefasst, auch Ehemalige sind eingeladen, externe Patenkinder, und ein paar besonders Bedürftige. Das Essen ist etwas ganz Besonderes, auf das sich jeder freut. Am Nachmittag gibt es dann Gruppenspiele, bei denen alle mitmachen. Auch die Großen kann man noch mit Topfschlagen begeistern. Wenn es dämmert, gibt es dann noch mal ein ähnliches Weihnachtsprogramm wie an Heilig Abend. Jetzt aber kommt endlich die Bescherung: Da wir uns kein Geschenkpapier leisten können, haben wir die Geschenke in die Plastikwaschschüsseln gepackt, die die Kinder sowieso dringend brauchten. Weihnachten wird vor allem genutzt, etwas Schönes zum Anziehen zu kaufen. Das ist allen sehr wichtig. Die Großen haben sich ihre Sachen selber ausgesucht. Im Advent organisieren wir immer eine Fahrt mit einem Kleinlaster nach Les Cayes, das ist ein seltener und schöner Ausflug für die Jugendlichen und sie können sich etwas aussuchen, was ihnen wirklich gefällt und passt. Auch die Kleineren bekommen etwas zum Anziehen aber zusätzlich noch ein Spielzeug. Leider ist das Spielzeug, das ich in Haiti zu kaufen bekomme, so minderwertig, dass alles schnell wieder kaputt geht. Zu Ostern ist meistens nichts mehr davon da. Trotzdem sind die Kleinen eine Weile selig mit ihren Puppen und Spielzeugautos.

Falls ich in Deutschland bin, skype ich an den Weihnachtstagen die halbe Nacht mit den Kindern. Bis alle, die mit mir reden vollen, durch sind, ist es durch die Zeitverschiebung meist nach 3 Uhr, und es ist sehr schön, mit allen sprechen zu können.

Christbaum und Krippe

Christbaum und Krippe

Heilig Abend in Fontrankil

Heilig Abend in Fontrankil

Christbaum

Christbaum

Lucsay, David, Erik und Anderson bestaunen die Krippe

Lucsay, David, Erik und Anderson bestaunen die Krippe

Tanzspiele mit Sonie

Tanzspiele mit Sonie

Joseph Maria und das Kind (Guichard, Lucie und Noé)

Joseph Maria und das Kind (Guichard, Lucie und Noé)

Fabrina als Engel

Fabrina als Engel

Die Könige werden eingekleidet, Pierre-Michel, Ancela und Rhusson

Die Könige werden eingekleidet, Pierre-Michel, Ancela und Rhusson

Bescherung

Bescherung

Die Großen haben sich ihr Geschenk selber in der S

Die Großen haben sich ihr Geschenk selber in der S

Dieuné mit Geschenk

Dieuné mit Geschenk