Haiti

Noch heute leiden die Menschen in Haiti unter den Folgen des verheerenden Erdbebens vom Januar 2010.

Vierter Jahrestag des Erdbebens vom Januar 2010

12. Januar 2010, 16.53 Uhr.

Erdbeben der Stärke 7,0.

300 000 Tote.

300 000 Verletzte.

1 850 000 Obdachlose.

5,4 Milliarden Euro Schaden.

Am 12. Januar 2010 um 16.53 Uhr Ortszeit erschütterte in Haiti ein Erdbeben der Stärke 7,0 Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. Das schlimmste Beben in der Geschichte des Kontinents. Die Zahl der Opfer liegt vermutlich bei über 300 000 Menschen, sie kann nur geschätzt werden. Ebenso viele Menschen wurden bei dieser Naturkatastrophe verletzt, etwa 1,85 Millionen Menschen wurden in der Folge obdachlos. Der wirtschaftliche Schaden für das Land beträgt rund 5,4 Milliarden Euro.
Im Oktober 2010 brach im Erdbebengebiet zudem die Cholera aus, die in der Folge tausende von Todesopfern forderte und rund 500 000 Cholera-Erkrankte.
Vier Jahre nach dem Beben leben noch heute hunderttausende Menschen in Zeltlagern im Großraum der Hauptstadt Port-au-Prince.

Schon vor dem Erdbeben war Haiti eines der ärmsten Länder der Welt. Weitere Naturkatastrophen wie die Hurrikane Isaac und Sandy, der über 40 Prozent der Getreideernte zerstörte, werfen die Bemühungen des Staates und der Hilfsorganisationen vor Ort immer wieder zurück.

Hier Hinweise auf Presseartikel, die der Frage nachgehen, wie die Situation für die Menschen in Haiti vier Jahre nach dem Erdbeben ist.

Die ARD kommt in dem Bericht “Haiti – vier Jahre nach dem großen Erdbeben” zu dem Ergebnis, dass der Wiederaufbau nur langsam vorankommt. Auch die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet in ihrem Artikel “Stagnation in Haiti – Wenn nur noch Voodoo hilft“, dass die Folgen des Bebens noch längst nicht überwunden sind.

 

Die Kathedrale von Port au Prince wurde bei dem Erbeben im Jahr 2010 völlig zerstört. Quelle: American Red Cross So soll die neuerbaute Kathedrale gemäß dem Sieger-Entwurf eines Architekturwettbewerbs aussehen. Quelle: competition.ndapap.org

Wiederaufbau der Kathedrale in Port au Prince

Dezember 2012 –

Die Kathedrale in Port au Prince soll wieder aufgebaut werden. Sie war beim Erdbeben im Januar 2010 zerstört worden. Die Cathédrale Notre-Dame de L’Assomption (Mariä Himmelfahrt) war bis zu ihrer Zerstörung Bischofskirche des römisch-katholischen Erzbistums Port-au-Prince in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Inzwischen liegen erste Entwürfe vor, wie der Neubau der Kathedrale aussehen kann. Details dazu finden Sie auf der Homepage der Organisation Notre Dame de l’Assomption.

Nach Angaben des Schweizer Online-Portals Hispaniola haben Architekten aus der ganzen Welt Pläne für den Wiederaufbau vorgelegt. Den Architektur-Wettbewerb der Miami School of Architecture gewann ein Team aus Puerto Rico um den bekannten Architekten Segundo Cardona. Ihr Plan für den Umbau der Kathedrale sieht vor, die Gläubigen in einem Garten im Freien vor der vertrauten rosa Fassade der ursprünglichen Kathedrale zu begrüßen.

Die für den Wiederaufbau zuständige Erzdiözese Port-au-Prince schrieb nach Angaben des Online-Portals Mama Haiti einen eigenen Architektur-Wettbewerb aus, mit Unterstützung und Beratung des Magazins Faith and Form und dem Nationalen Institut für Denkmalschutz (ISPAN). Dieser Wettbewerb zielte darauf ab, möglichst viele kreative und talentierte Vorschläge von Architekten auf der ganzen Welt zu erhalten. Die Erzdiözese Port-au-Prince von Haiti und das Wettbewerbsgremium verkündeten im Dezember 2012 den Gewinner, die Architekten-Gruppe Kerns Group Architects, P.C. Aus Arlington, in Virginia. Ihr Projekt spiegle am besten die Geschichte und Kultur von Haiti und könne ein Symbol der Hoffnung für das Volk im Land darstellen, hieß es.

Erdbebensichere Schultische

April 2012
Erdbebensichere Schultische
Das Design-Duo Arthur Brutter und Ido Bruno von der Jerusalemer Bezalel Akademie für Kunst und Design hat Schultische entwickelt, die bei Erdbeben Schutz bieten. Die Tische sollen einer Belastung von bis zu einer Tonne standhalten.

Die Bevölkerung von Haiti

Die Bevölkerung von Haiti
Die Bevölkerung stammt ausschließlich von ehemaligen Sklaven ab und ist bis auf einige Mischlinge schwarz. Dadurch ist Haiti ein sehr interessantes Land mit einer ganz eigenen Kultur inmitten seiner lateinamerikanischen Umgebung. Zwar wird in den Schulen französisch gelehrt, die eigentliche Landessprache ist aber kreolisch, eine Mischung aus französischen und afrikanischen Elementen mit einer eigenen Grammatik. Fast alle Haitianer sind Christen, danaben wird aber gleichzeitig auch der Voudou praktiziert. In der Kultur, insbesondere in Musik und Tanz haben sich noch viele afrikanische Einflüsse erhalten, die dem Land einen ganz besonderen Charakter geben.

Die Umwelt

Die Umwelt in Haiti
In den letzten Jahren war Haiti nicht nur durch das schwere Erdbeben im Jahr 2010 und seine politischen Ereignisse in den Schlagzeilen der Weltpresse. sondern auch durch seine Naturkatastrophen. Immer wieder gibt es Hurrikans, Stürme und schwere Überschwemmungen mit Schlammlawinen. Immer wieder sterben dabei hunderte oder gar tausende von Menschen, viele werden obdachlos oder müssen hungern, weil sie durch zerstörte Straßen von der Lebensmittelzufuhr abgeschnitten sind. Bei diesen Naturkatastrophen spielt die Abholzung der tropischen Bergwälder mit nachfolgender Bodenerosion eine nicht unerhebliche Rolle. Bei tropischen Regengüssen stürzen Wasser und Schlamm ungehindert ins Tal, führen dort zu Überschwemmungen und lassen auf den Bergen nackte, nicht mehr bebaubare Felsen zurück. Trotz einiger Aufforstungsprojekte geht die Zerstörung weiter, solange der größte Teil der Bevölkerung auf Holzkohle zum Kochen angewiesen ist.

Die Geschichte und die politische Lage in Haiti

Das Land wurde 1492 von Columbus entdeckt und war danach erst spanische, dann französische Kolonie. Die indianische Urbevölkerung wurde schon zu Columbus’ Zeiten ausgerottet und durch afrikanische Sklaven ersetzt. Zur Kolonialzeit wurde das Land ausgebeutet und nach Abholzung der tropischen Wälder durch rücksichtslose Plantagenwirtschaft schwer geschädigt.
1804 wurde Haiti als eine der ersten Kolonien unabhängig; nach langen Kämpfen hatten die Weißen das Land verlassen. Danach kamen mehrere schwarze Könige, die nach dem Vorbild absolutistischer Herrscher regierten. Schließlich war Haiti lange unter der Herrschaft diktatorischer Militärregierungen. Am bekanntesten wurden Papa Doc und Baby Doc.
1991 übernahm der erste demokratisch gewählte Präsident Haitis, Jean-Bertrand Aristide, mit seiner Partei Lavalas die Regierung. Schon kurz danach mußte er nach einem Putsch ins Exil und konnte erst 1994 kurz vor Ablauf seiner ersten Amtsperiode unter dem Druck der USA durch ein Handelsembargo und militärische Drohungen wieder zurückkehren.
In den Folgejahren war die Partei Lavalas an der Macht, aber es hatte sich nicht viel in Haiti geändert. Der ehemalige Armenpriester Aristide konnte viele Erwartungen nicht erfüllen. Es wurden ihm ähnlich korrupte und gewalttätige Methoden vorgeworfen wie seinen Vorgängern. In den letzten Jahren sprach man von einer anhaltenden politischen Krise. Viele forderten einen Regierungswechsel. Die gewalttätigen Unruhen fanden im Februar 2004 ihren Höhepunkt. Von Norden her eroberte eine Rebellenarmee das Land. Unter massivem Druck der USA, der Rebellen und der Bevölkerung mußte Aristide am 29.2.2004 abdanken und das Land verlassen.

Seine Anhänger und deren Gegner sorgen jedoch immer noch für Unruhe im Land. Laufend erreichen uns Nachrichten von Demonstrationen, Terroraktionen, Ermordungen politischer Gegner der verschiedenen Lager und Eskalationen der gewöhnlichen Kriminalität bei fehlender staatlicher Kontrollfunktion. Der provisorische, aus dem US-amerikanischen Exil kommende Premierminister, Gerard Latortue, verwaltete nur vorübergehend die Regierungsgeschäfte. In der zweiten Jahreshälfte 2005 waren immer wieder Wahlen angesetzt, die jedesmal verschoben werden mußten, da die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen waren.
Über 40 Präsidentenkandidaten bewarben sich um die Macht, von denen keiner eine Ideallösung zu sein schien. Erst im Februar 2006 hat die Wahl stattgefunden, aus der René Préval als Sieger hervorging.
Das Land befindet sich weiter in einem unsicheren Schwebezustand, alles ist provisorisch. Es können noch keine wesentlichen Entscheidungen getroffen oder Programme durchgeführt werden.

Die soziale Lage in Haiti

Während der dauernden politischen Umwälzungen ist die Situation der Bevölkerung immer kritischer geworden. Das einst von Columbus gepriesene Paradies Haiti gilt schon lange als das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Armut, Hunger, Arbeitslosigkeit, fehlende medizinische Versorgung, Analphabetismus, Kriminalität, hohes Bevölkerungswachstum auf engem Raum, Zerstörung der Natur und niedriger Entwicklungsstand kennzeichnen die Struktur des Landes und nehmen ständig zu.
Das öffentliche Leben in den größeren Städten ist immer mehr durch Gewalt und Angst geprägt. Manche Stadtviertel und Straßen müssen grundsätzlich gemieden werden. Nach Einbruch der Dunkelheit geht keiner mehr auf die Straße. Neben täglichen Straßenkämpfen und Raubüberfällen haben nach internationalem Vorbild vor allem die Entführungen als Methode zur Geldbeschaffung Schule gemacht. Betroffen sind alle Sozialschichten, Haitianer und Ausländer, Erwachsene und Kinder. Die Opfer werden bei Verzögerungen der Lösegeldzahlung teilweise sehr grausam ermordet.

Haiti

Haiti liegt in der Karibik und teilt sich mit der dominikanischen Republik die Insel Hispaniola. „Ayiti“ ist ein alter indianischer Name und bedeutet „Bergland“. Die Größe Haitis ist mit 28.000 Quadratkilometern etwa mit Baden- Württemberg vergleichbar. Die Bevölkerung wird inzwischen auf 8 Millionen Einwohner geschätzt. Die Hauptstadt Haitis ist Port-au-Prince mit etwa 1 Mio. Einwohnern. Die Haupteinkommensquelle ist die Landwirtschaft, die meisten Leute sind kleine Bergbauern. Industrie gibt es kaum.