Haiti

Bericht unserer Vorstandsmitglieder Jörg Wulle und Stefan Willeitner vom August 2018 aus Beaumont

Wir haben heute Sonntag den 19.8.2018 und es sind jetzt zweieinhalb Wochen, dass Stefan Willeitner und ich mal wieder in Beaumont angekommen sind. Der Administrator unseres haitianischen Partnervereins Hugo Bazile holte uns, wie bei jedem Haiti-Besuch, zuverlässig am Flughafen ab und es ging sofort aus der Hauptstadt Port-au-Prince heraus auf die ca. 250 km lange Strecke in den Südwesten des Landes.

Nach freudiger Begrüßung durch die Waisenkinder und die Mitarbeiter bezogen wir unsere Zimmer in der nach dem Hurrikan Matthew wiederhergestellten alten Anlage des Waisenhauses im Ortsteil Nan Guinen von Beaumont.

Gleich am nächsten Tag zog es Stefan und mich jedoch zu unserer neuen Anlage im Ortsteil Fontrankil, wo uns unsere Vereinsvorsitzende Dr. Anke Brügmann, wieder mal, oder besser gesagt, wie immer, stark durch medizinische Notfälle in Anspruch genommen, begrüßte. Wir haben den anschließenden Rundgang auf dem Gelände deshalb ohne sie vorgenommen.

Ja, es hat sich da einiges getan seit meinem letzten Haiti-Aufenthalt im Dezember 2017. Die angehenden Bauingenieure vom Verein “Engineers Without Borders” (EWB) aus Karlsruhe haben für uns weitere Schul- und Vorschulgebäude errichtet. Es stehen jetzt insgesamt fünf dieser Gebäude, in zweien davon fand bislang aber noch kein Unterricht statt.

Und zwar auch deshalb nicht, weil wir im Moment nicht genügend Schulmöbel zur Vefügung haben. Das wird sich aber bald ändern, denn kurz vor der Abreise von Stefan und mir wurde in Wolfach ein weiterer Container unter anderem auch mit Schulmöbeln auf die Reise nach Haiti geschickt. Die Frachtpapiere für den Zoll in Port-au-Prince habe ich nach Beaumont mitgebracht.

Stefans und mein Rundgang führte uns weiter zum ersten Wohnhaus für unsere Waisenkinder auf dem neuen Gelände, das die Ingenieure von EWB zum ganz großen Teil bereits im vergangenen Jahr errichtet hatten. Nachdem zuletzt auch die Fensterläden eingebaut wurden, ist das Haus jetzt bewohnbar und zwei Betreungsgruppen mit 16 Mädchen im Alter von 7 Monaten bis ca. 9 Jahren konnten zu Beginn der Woche dort einziehen. Bezüglich der Fenster muss man wissen, dass in Haiti Glasfenster nicht üblich sind und besonders im Erdgeschoß es deshalb unerlässlich ist, Fensteröffnungen mit festen Läden verschließen zu können.

Ansonsten werden die Bewohnerinnen des neuen Hauses von allen beneidet, weil sie bislang die einzigen sind, die Toiletten und Duschen im Wohnhaus haben. Alle anderen Kinder unseres Waisenhauses und auch das Betreuungspersonal muss dazu mehr oder weniger weit über den Hof gehen. Auch Duschen waren bisher in unserer Anlage nicht bekannt. Man musste und die meisten müssen es immer noch, das Wasser im Eimer an der Wasserstelle holen und es im Sanitärraum mit der Schöpfkelle über sich schütten.

Derzeit sind auch in Haiti Schulferien. Um unseren Waisenkindern etwas Abwechslung zu bieten, hat sich der haitianische Vorstand entschlossen, unseren Betreuungsgruppen im Rahmen eines kleinen Ferienprogramms einen jeweils dreitägigen Aufenthalt in unserem Wohnheim Camp Perrin in der Nähe der größeren Stadt Les Cayes anzubieten. Dort sind das Jahr über ältere Jugendliche untergebracht, die in Les Cayes weiterführende Schulen bzw. eine Ausbildung absolvieren, jetzt aber auch Ferien haben und solange in unserer Anlage in Beaumont wohnen.

Weil wir zu wenige Mitarbeiter mit Führerschein haben, werde ich mich morgen Nachmittag wieder auf die ca. 50 km lange Strecke machen um die nächste Gruppe nach Camp Perrin zu bringen und dort die Jungs-Gruppe abholen, die ich vorgestern hingefahren habe. Zuvor soll jedoch noch auf dem Markt in Beaumont eine kleine Ziege gekauft werden, die einer unserer Mitglieder bzw. dessen Tochter gespendet haben und zwar dadurch, dass die Tochter auf das ihr eigentlich zugedachte Geschenk zum 40. Geburtstag verzichtet hat. Das hilft uns jetzt weiter bei der Ziegenzucht in unserer Landwirtschaft.

 

Bericht aus Haiti von Stefan Willeitner 15.08.2018

Auch wenn die EWB aus Karlsruhe noch nicht da sind, gehen bei uns die Bauarbeiten auf dem neuen Gelände trotzdem weiter. Gerade wurde der Pausenhof zwischen den Vorschulgebäuden asphaltiert. Manche Schüler erhalten Zusatzunterricht in Klein- und Großgruppen, um Gelerntes nachzuarbeiten. In der Zyklonzeit fiel ja viel Unterricht aus.

Stefan Willeitner

Zu Ostern ein Ei

Am Gründonnerstag haben unsere Schüler wieder Lebensmittelpakete für je umgerechnet etwa 7 Euro für die Osterferien bekommen. In den Osterferien gibt es keine Kantine, deswegen müssten viele über die Feiertage hungern. Diesmal hatten wir zum ersten Mal ein Ei dabei. Das ist für die Schüler etwas ganz besonderes, was sonst nicht erschwinglich ist, aber man kann sich vorstellen, wieviel jeder in einer vielköpfigen Familie von dem Rührei bekommt. Wir haben nach Abzug der Waisenhauskinder 331 Pakete gepackt. Nach dem Wirbelsturm 2016 hat sich die Lage in der Landwirtschaft noch lange nicht erholt. Viele unserer Schüler leiden unter Eiweiß- und Vitaminmangel.

Weihnachten 2017

Weihnachten im Waisenhaus

Weihnachten ist ein wichtiges Fest für unsere Waisenkinder. Leider habe ich von diesem Jahr noch keine Bilder, aber letztes Jahr war ich in Haiti und kann so doch einen Eindruck geben.

In vielen armen Familien auf dem Lande gibt es kein Weihnachten, die Kinder wissen gar nicht, was das ist, obwohl sich praktisch alle als Christen bezeichnen. Für ein besonderes Essen oder Geschenke fehlt das Geld, ein Christbaum ist sowieso in den Tropen keine Tradition. Wer die Möglichkeit hat, geht in die Kirche, aber wer nichts Ordentliches zum Anziehen hat, traut sich oft nicht.

In den bürgerlichen Familien, steht schon seit November ein künstlicher Christbaum im Wohnzimmer, blinkt in allen Farben bunter Lichterketten und jault oft noch schief und grell die Jingle-bells-Melodie. Am ehesten spricht und singt man noch vom Weihnachtsmann (Tonton Nwèl). Da es zu Weihnachten zwar kühl aber nicht kalt ist, sind viele draußen. Wer Zugang zu der Stadt Beaumont hat, genießt das Treiben auf den Straßen. Es wird überall laute Discomusik gespielt und getanzt. Das ist alles sehr laut, fröhlich und bunt.

Bei uns im Waisenhaus ist das etwas anders. Wir haben natürlich einen Christbaum, letztes Jahr eine kleine Kiefer, sonst meistens eine Kasuarine, die in einen sandgefüllten Eimer gesteckt wird. Die Dekoration ist bunt und glitzernd, Luftballons sind absolut obligat, aber einige Kinder haben auch schon gelernt aus deutschem Goldpapier deutsche Sterne zu basteln. Und auf dem Baum brennen ein paar echte Christbaumkerzen.

Ein besonderer Spaß sind die Wunderkerzen, die nicht erst  zu Silvester vorkommen.

Neben dem Christbaum steht die Krippe, in einer tropischen Vegetation, und damit lässt sich den Kindern tatsächlich am besten die Weihnachtsgeschichte erklären.

Am heiligen Abend zogen die Kinder in den dunklen Saal ein und sangen „Ti pitit la kouche nan krèch la, ann ale.“ (Das kleine Kind liegt in der Krippe, lasst uns gehen.) An diesem Tag gibt es noch keine Bescherung. Es wird die Weihnachtsgeschichte gelesen getanzt, gespielt und gesungen. Die größeren kriegen mit ein bisschen Üben ein paar Lieder sogar vierstimmig hin, ich habe einiges ins Kreolische übersetzt.

Das Krippenspiel im letzten Jahr versetzte die Weihnachtsgeschichte nach Haiti. Maria und Josef waren keine Reisenden, sondern Zyklonopfer, die in einem Unterstand aus zerrissenen Wellblechen hausten. Die Hirten brachten ihnen eine Plastikplane mit, damit sie nicht nass werden. Und da es uns nie an Babys im Waisenhaus fehlt, war auch das Christkind echt.

Das typische Essen zu heilig Abend ist pate, ein heißes Gebäck, das zur Feier des Tages mit Fisch oder Fleisch gefüllt ist.

Zum Abschluss gehen die Größeren zur Christmette, eine Veranstaltung die mehrere Stunden dauert.

Am 25. Dezember ist das eigentliche Weihnachtsfest. Nach der Kirche am Morgen treffen sich alle zum gemeinsamen Festessen, alle Gruppen zusammengefasst, auch Ehemalige sind eingeladen, externe Patenkinder, und ein paar besonders Bedürftige. Das Essen ist etwas ganz Besonderes, auf das sich jeder freut. Am Nachmittag gibt es dann Gruppenspiele, bei denen alle mitmachen. Auch die Großen kann man noch mit Topfschlagen begeistern. Wenn es dämmert, gibt es dann noch mal ein ähnliches Weihnachtsprogramm wie an Heilig Abend. Jetzt aber kommt endlich die Bescherung: Da wir uns kein Geschenkpapier leisten können, haben wir die Geschenke in die Plastikwaschschüsseln gepackt, die die Kinder sowieso dringend brauchten. Weihnachten wird vor allem genutzt, etwas Schönes zum Anziehen zu kaufen. Das ist allen sehr wichtig. Die Großen haben sich ihre Sachen selber ausgesucht. Im Advent organisieren wir immer eine Fahrt mit einem Kleinlaster nach Les Cayes, das ist ein seltener und schöner Ausflug für die Jugendlichen und sie können sich etwas aussuchen, was ihnen wirklich gefällt und passt. Auch die Kleineren bekommen etwas zum Anziehen aber zusätzlich noch ein Spielzeug. Leider ist das Spielzeug, das ich in Haiti zu kaufen bekomme, so minderwertig, dass alles schnell wieder kaputt geht. Zu Ostern ist meistens nichts mehr davon da. Trotzdem sind die Kleinen eine Weile selig mit ihren Puppen und Spielzeugautos.

Falls ich in Deutschland bin, skype ich an den Weihnachtstagen die halbe Nacht mit den Kindern. Bis alle, die mit mir reden vollen, durch sind, ist es durch die Zeitverschiebung meist nach 3 Uhr, und es ist sehr schön, mit allen sprechen zu können.

Christbaum und Krippe

Christbaum und Krippe

Heilig Abend in Fontrankil

Heilig Abend in Fontrankil

Christbaum

Christbaum

Lucsay, David, Erik und Anderson bestaunen die Krippe

Lucsay, David, Erik und Anderson bestaunen die Krippe

Tanzspiele mit Sonie

Tanzspiele mit Sonie

Joseph Maria und das Kind (Guichard, Lucie und Noé)

Joseph Maria und das Kind (Guichard, Lucie und Noé)

Fabrina als Engel

Fabrina als Engel

Die Könige werden eingekleidet, Pierre-Michel, Ancela und Rhusson

Die Könige werden eingekleidet, Pierre-Michel, Ancela und Rhusson

Bescherung

Bescherung

Die Großen haben sich ihr Geschenk selber in der S

Die Großen haben sich ihr Geschenk selber in der S

Dieuné mit Geschenk

Dieuné mit Geschenk

Noch heute leiden die Menschen in Haiti unter den Folgen des verheerenden Erdbebens vom Januar 2010.

Vierter Jahrestag des Erdbebens vom Januar 2010

12. Januar 2010, 16.53 Uhr.

Erdbeben der Stärke 7,0.

300 000 Tote.

300 000 Verletzte.

1 850 000 Obdachlose.

5,4 Milliarden Euro Schaden.

Am 12. Januar 2010 um 16.53 Uhr Ortszeit erschütterte in Haiti ein Erdbeben der Stärke 7,0 Haitis Hauptstadt Port-au-Prince. Das schlimmste Beben in der Geschichte des Kontinents. Die Zahl der Opfer liegt vermutlich bei über 300 000 Menschen, sie kann nur geschätzt werden. Ebenso viele Menschen wurden bei dieser Naturkatastrophe verletzt, etwa 1,85 Millionen Menschen wurden in der Folge obdachlos. Der wirtschaftliche Schaden für das Land beträgt rund 5,4 Milliarden Euro.
Im Oktober 2010 brach im Erdbebengebiet zudem die Cholera aus, die in der Folge tausende von Todesopfern forderte und rund 500 000 Cholera-Erkrankte.
Vier Jahre nach dem Beben leben noch heute hunderttausende Menschen in Zeltlagern im Großraum der Hauptstadt Port-au-Prince.

Schon vor dem Erdbeben war Haiti eines der ärmsten Länder der Welt. Weitere Naturkatastrophen wie die Hurrikane Isaac und Sandy, der über 40 Prozent der Getreideernte zerstörte, werfen die Bemühungen des Staates und der Hilfsorganisationen vor Ort immer wieder zurück.

Hier Hinweise auf Presseartikel, die der Frage nachgehen, wie die Situation für die Menschen in Haiti vier Jahre nach dem Erdbeben ist.

Die ARD kommt in dem Bericht “Haiti – vier Jahre nach dem großen Erdbeben” zu dem Ergebnis, dass der Wiederaufbau nur langsam vorankommt. Auch die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet in ihrem Artikel “Stagnation in Haiti – Wenn nur noch Voodoo hilft“, dass die Folgen des Bebens noch längst nicht überwunden sind.

 

Die Kathedrale von Port au Prince wurde bei dem Erbeben im Jahr 2010 völlig zerstört. Quelle: American Red Cross So soll die neuerbaute Kathedrale gemäß dem Sieger-Entwurf eines Architekturwettbewerbs aussehen. Quelle: competition.ndapap.org

Wiederaufbau der Kathedrale in Port au Prince

Dezember 2012 –

Die Kathedrale in Port au Prince soll wieder aufgebaut werden. Sie war beim Erdbeben im Januar 2010 zerstört worden. Die Cathédrale Notre-Dame de L’Assomption (Mariä Himmelfahrt) war bis zu ihrer Zerstörung Bischofskirche des römisch-katholischen Erzbistums Port-au-Prince in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Inzwischen liegen erste Entwürfe vor, wie der Neubau der Kathedrale aussehen kann. Details dazu finden Sie auf der Homepage der Organisation Notre Dame de l’Assomption.

Nach Angaben des Schweizer Online-Portals Hispaniola haben Architekten aus der ganzen Welt Pläne für den Wiederaufbau vorgelegt. Den Architektur-Wettbewerb der Miami School of Architecture gewann ein Team aus Puerto Rico um den bekannten Architekten Segundo Cardona. Ihr Plan für den Umbau der Kathedrale sieht vor, die Gläubigen in einem Garten im Freien vor der vertrauten rosa Fassade der ursprünglichen Kathedrale zu begrüßen.

Die für den Wiederaufbau zuständige Erzdiözese Port-au-Prince schrieb nach Angaben des Online-Portals Mama Haiti einen eigenen Architektur-Wettbewerb aus, mit Unterstützung und Beratung des Magazins Faith and Form und dem Nationalen Institut für Denkmalschutz (ISPAN). Dieser Wettbewerb zielte darauf ab, möglichst viele kreative und talentierte Vorschläge von Architekten auf der ganzen Welt zu erhalten. Die Erzdiözese Port-au-Prince von Haiti und das Wettbewerbsgremium verkündeten im Dezember 2012 den Gewinner, die Architekten-Gruppe Kerns Group Architects, P.C. Aus Arlington, in Virginia. Ihr Projekt spiegle am besten die Geschichte und Kultur von Haiti und könne ein Symbol der Hoffnung für das Volk im Land darstellen, hieß es.

Erdbebensichere Schultische

April 2012
Erdbebensichere Schultische
Das Design-Duo Arthur Brutter und Ido Bruno von der Jerusalemer Bezalel Akademie für Kunst und Design hat Schultische entwickelt, die bei Erdbeben Schutz bieten. Die Tische sollen einer Belastung von bis zu einer Tonne standhalten.

Die Bevölkerung von Haiti

Die Bevölkerung von Haiti
Die Bevölkerung stammt ausschließlich von ehemaligen Sklaven ab und ist bis auf einige Mischlinge schwarz. Dadurch ist Haiti ein sehr interessantes Land mit einer ganz eigenen Kultur inmitten seiner lateinamerikanischen Umgebung. Zwar wird in den Schulen französisch gelehrt, die eigentliche Landessprache ist aber kreolisch, eine Mischung aus französischen und afrikanischen Elementen mit einer eigenen Grammatik. Fast alle Haitianer sind Christen, danaben wird aber gleichzeitig auch der Voudou praktiziert. In der Kultur, insbesondere in Musik und Tanz haben sich noch viele afrikanische Einflüsse erhalten, die dem Land einen ganz besonderen Charakter geben.

Die Umwelt

Die Umwelt in Haiti
In den letzten Jahren war Haiti nicht nur durch das schwere Erdbeben im Jahr 2010 und seine politischen Ereignisse in den Schlagzeilen der Weltpresse. sondern auch durch seine Naturkatastrophen. Immer wieder gibt es Hurrikans, Stürme und schwere Überschwemmungen mit Schlammlawinen. Immer wieder sterben dabei hunderte oder gar tausende von Menschen, viele werden obdachlos oder müssen hungern, weil sie durch zerstörte Straßen von der Lebensmittelzufuhr abgeschnitten sind. Bei diesen Naturkatastrophen spielt die Abholzung der tropischen Bergwälder mit nachfolgender Bodenerosion eine nicht unerhebliche Rolle. Bei tropischen Regengüssen stürzen Wasser und Schlamm ungehindert ins Tal, führen dort zu Überschwemmungen und lassen auf den Bergen nackte, nicht mehr bebaubare Felsen zurück. Trotz einiger Aufforstungsprojekte geht die Zerstörung weiter, solange der größte Teil der Bevölkerung auf Holzkohle zum Kochen angewiesen ist.

Die Geschichte und die politische Lage in Haiti

Das Land wurde 1492 von Columbus entdeckt und war danach erst spanische, dann französische Kolonie. Die indianische Urbevölkerung wurde schon zu Columbus’ Zeiten ausgerottet und durch afrikanische Sklaven ersetzt. Zur Kolonialzeit wurde das Land ausgebeutet und nach Abholzung der tropischen Wälder durch rücksichtslose Plantagenwirtschaft schwer geschädigt.
1804 wurde Haiti als eine der ersten Kolonien unabhängig; nach langen Kämpfen hatten die Weißen das Land verlassen. Danach kamen mehrere schwarze Könige, die nach dem Vorbild absolutistischer Herrscher regierten. Schließlich war Haiti lange unter der Herrschaft diktatorischer Militärregierungen. Am bekanntesten wurden Papa Doc und Baby Doc.
1991 übernahm der erste demokratisch gewählte Präsident Haitis, Jean-Bertrand Aristide, mit seiner Partei Lavalas die Regierung. Schon kurz danach mußte er nach einem Putsch ins Exil und konnte erst 1994 kurz vor Ablauf seiner ersten Amtsperiode unter dem Druck der USA durch ein Handelsembargo und militärische Drohungen wieder zurückkehren.
In den Folgejahren war die Partei Lavalas an der Macht, aber es hatte sich nicht viel in Haiti geändert. Der ehemalige Armenpriester Aristide konnte viele Erwartungen nicht erfüllen. Es wurden ihm ähnlich korrupte und gewalttätige Methoden vorgeworfen wie seinen Vorgängern. In den letzten Jahren sprach man von einer anhaltenden politischen Krise. Viele forderten einen Regierungswechsel. Die gewalttätigen Unruhen fanden im Februar 2004 ihren Höhepunkt. Von Norden her eroberte eine Rebellenarmee das Land. Unter massivem Druck der USA, der Rebellen und der Bevölkerung mußte Aristide am 29.2.2004 abdanken und das Land verlassen.

Seine Anhänger und deren Gegner sorgen jedoch immer noch für Unruhe im Land. Laufend erreichen uns Nachrichten von Demonstrationen, Terroraktionen, Ermordungen politischer Gegner der verschiedenen Lager und Eskalationen der gewöhnlichen Kriminalität bei fehlender staatlicher Kontrollfunktion. Der provisorische, aus dem US-amerikanischen Exil kommende Premierminister, Gerard Latortue, verwaltete nur vorübergehend die Regierungsgeschäfte. In der zweiten Jahreshälfte 2005 waren immer wieder Wahlen angesetzt, die jedesmal verschoben werden mußten, da die Vorbereitungen noch nicht abgeschlossen waren.
Über 40 Präsidentenkandidaten bewarben sich um die Macht, von denen keiner eine Ideallösung zu sein schien. Erst im Februar 2006 hat die Wahl stattgefunden, aus der René Préval als Sieger hervorging.
Das Land befindet sich weiter in einem unsicheren Schwebezustand, alles ist provisorisch. Es können noch keine wesentlichen Entscheidungen getroffen oder Programme durchgeführt werden.