Haiti

Neues aus Haiti April 2021

Von Covid-19-Erkrankungen sind das Waisenhaus und die Schule bisher zum Glück verschont.

Das Waisenhaus wie auch die Schule laufen im normalen Betrieb. Allerdings ist es für die Jugendlichen und Kinder auch dort immer schwieriger die Ausgangssperren zu akzeptieren. Es fällt vielen schwer, das Gelände nicht verlassen zu dürfen. Corona wirkt sich auf den Markt aus. Da viele Lebensmittel importiert werden müssen und deutlich weniger Importgüter auf Haiti ankommen, steigen die Preise für das tägliche Essen. Manche Eltern wissen nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Das war allerdings auch schon vor Corona immer wieder so. „Im Waisenhaus habe ich im Moment ein angebliches Findelbaby. Aber es ist uns gelungen, die Familie ausfindig zu machen. Wir versuchen, es zurückzugeben.“ Sagt Frau Brügman.

Schulische Erfolge

Unsere Schule ist schon lange an einem Programm für Kreolisch und Französisch in der ersten und zweiten Klasse beteiligt, was vor allem kostenlose sehr gute Bücher bedeutet, die nicht auf dem Markt sind. Die Projektleiter waren von der Zusammenarbeit mit den meisten Schulen enttäuscht. Die Ergebnisse unserer Schüler sind von externen Prüfern aus der Hauptstadt ausgewertet worden. Wir sind als eine der 20 besten Schulen unseres Departements Grans’Anse ausgewählt worden, das Programm fortzusetzen und weiter mit Material subventioniert zu werden. Allerdings haben die Projektleiter fast 2 Wochen lang 6 unserer Lehrer*innen mitten im ohnehin schon viel zu kurzen Schuljahr für Fortbildungen abgezogen. „Ich muss jetzt die Vorschullehrerinnen in die Grundschulklassen schicken und die Vorschule mit unausgebildetem Personal laufen lassen.“ Berichtet Frau Brügman. Aber bald sind die Lehrer*innen wieder vor Ort und die Lage wird sich beruhigen. Gut fortgebildet können sie die Kinder sicher noch besser fördern.

Medizinische Arbeit von Frau Dr. Brügman

Die medizinische Arbeit nimmt immer mehr Raum ein. Darmverschluss, Lungenödem, Motorradunfall und dazwischen ganz viele zum Glück gesunde Schüler*innen. Frau Dr. Brügman weiß nie, wo sie die Patient*innen unterbringen soll. Z.T. entbindet Frau Dr. Brügman täglich. Es sind oft sehr junge Mütter. Da zu ihr die Frauen mit Komplikationen gebracht werden, sind auch immer wieder Kinder dabei, die nicht lange leben. „Zu Ostersonntag ist eine Frühgeburt gestorben, und vor kurzem habe ich ein wenige Wochen altes Baby an einer Sepsis verloren. Die Mütter waren totunglücklich.“ Berichtet Frau Dr. Brügman. Aber viele Kinder erblicken mit der Hilfe von Frau Brügman gesund das Licht der Welt. Der Besuch eines Direktors vom Gesundheitsministerium ist angekündigt. Frau Brügman hofft vor allem auf Verhütungsmittel.

Unser Studentenwohnheim in Les Cayes

Mitte März wurde unser eigenes Studentenwohnheim in Les Cayes eröffnet, auch wenn Küche und Aufenthaltsraum noch fehlen. Diejenigen , die  schon mit Ausbildung oder Studium begonnen hatten, sind dort eingezogen; außerdem die Jugendlichen, die erst kürzlich ihren Schulabschluss gemacht haben. Dies war nur aufgrund der großen Unterstützung von Hugo und Hugos Schwager, einem Bauingenieur, der uns kostenlos unterstützte, möglich. Vielen Dank!

Wir sparen uns jetzt teure Mieten und Taxikosten, weil die Anfahrtswege nun kürzer sind.

Wir haben nun 11 Studierende: 1x Agronom und 2x Agrartechniker, 2 Bauingenieure (inspiriert von den EWB), 2 x Erziehungswissenschaftler*innen, 4 x Verwaltungswissenschaften und Buchhaltung.

Weihnachtszeit im Waisenhaus

Februar 2021

Alle Kinder stellten am Nikolausabend ihre Schuhe auf und sangen auf Kreol: Lasst uns froh und munter sein! In der Früh sahen sie neugierig nach und freuten sich sehr über die wenigen Süßigkeiten.

In der Weihnachtszeit wurden in Kreol und auf Französisch Weihnachtslieder einstudiert und unser Krippenspiel geübt. Auch der Weihnachtsmann ließ sich blicken. Die Kinder sangen ihm „Onkelchen Weihnachten“ und waren glücklich über ihre kleinen Tüten mit ein paar Bonbons, einer Orange und einer Rarität: ein Ei – eine seltene Delikatesse für die Kinder.

Am 24.12. wurden Kiefernzweige mit dem Schmuck, den die Kinder aus farbiger Pappe gebastelt hatten, geschmückt. Frau Brügman las die Weihnachtsgeschichte und das Krippenspiel wurde aufgeführt. Am 25.12. machten alle begeistert bei einer zwei stündigen Schnitzeljagd mit. Dann gab es die Geschenke: die Älteren durften sich Kleidungsstücke aussuchen, die Kleineren bekamen Spielzeug.

Zwischen Weihnachten und Neujahr wurden dann die Lebensmittelkits an die Schüler*innen verteilt, und wir hatten auch wieder einige für besonders Bedürftige gepackt – meist alte, alleinstehende Leute. Alle haben sich sehr gefreut. Alle Schüler*innen sind gekommen.

Zu Silvester gab es ein Spieleprogramm, das die Kinder genossen. Am 4.1. ging die Schule schon wieder los, um den Stoff aufzuholen.

Das Schuljahr startet

September 2020

Unsere Studierenden konnten im September ihr Studium wieder aufnehmen.
Drei Studierende waren bisher mit ihrem Studium erfolgreich und können nun wieder weiter studieren. Schwierig ist die Quittungen für Schulgelder, Materialien und Ähnliches zu bekommen.
Frau Brügman muss immer wieder persönlich bei Schulen vorsprechen, damit auf die Quittungen menkontre geschrieben wird. Aber wir freuen uns, dass das Studium weiter geht!

Einschreibungen für das neue Schuljahr

An mehreren Tagen um 5 Uhr morgens war bereits eine riesige Menschenmenge vor dem Tor. Bis 23 Uhr abends wurde für JEDES Kind ein Formular mit den sozialen Details ausgefüllt. Das Aussortieren und die Absagen an die Eltern geben fällt immer schwer. Aufgrund der Unsicherheit in den Städten kommen mehr Menschen auf das Land. Auch Kinder aus den Bergdörfern wollen in unsere Schule, weil dort oft kein geregelter Schulbetrieb möglich ist.

Ein Baby und ein kleines Mädchen werden aufgenommen

Ein zwei Monate alter Junge wurde abgegeben, weil seine Mutter gestorben ist. Ohne Säuglingsnahrung könnte er nicht überleben. In ein paar Tagen soll das neue Schuljahr beginnen. Ein 18-Monate altes Mädchen wurde gebracht. Angeblich sei die Mutter in PauP gestorben. Das Kind war sehr schmutzig, hatte Krätze usw. Sie hat sofort einen Teller Reis verschlungen. Der Partner der Tante hat schon gedroht, das Kind umzubringen, wenn es nicht verschwindet.

In einem Klassenzimmer liegt noch eine frisch Entbundene mit ihrem gesunden Baby. Die Mutter war zuvor auf einer Trage über die Berge zu Frau Brügman gebracht worden.

Keine Engineers without Boarders nach Haiti

Juli 2020

Die Sicherheitslage in Haiti ist derzeit auf keinen Fall ausreichend stabil, um die jungen EWB’s einreisen zu lassen. Ein hoher Politiker wurde ermordet. Das städtische Gymnasium, das direkt neben unserer Anlage steht wurde komplett ausgeraubt. Der dort wohnende Direktor hat seine gesamte Habe einschließlich Computer verloren.

Coronazeit in Beaumont

April 2020

Auch der Verein wurde durch die Auswirkungen der Coronazeit getroffen. Frau Dr. Brügman konnte vor der ersten Welle und des Lockdowns gerade noch aus Haiti ausreisen. Aber dann saß sie in Deutschland fest. Eine Einreise nach Haiti war lange nicht möglich. Der Kontakt nach Beaumont war schwierig, skypen ging schlecht.

Im September war es dann endlich so weit: Frau Brügman konnte sich aufmachen. Von Zürich konnte sie über Madrid nach Santo Domingo in der Dominikanischen Republik fliegen. Ob und wenn wie sie von dort weiter nach Haiti kommen kann, war unklar. Öffentliche Busse gab es nicht. Sie konnte sich dann aber durchschlagen und kam nach 71h Stunden in Beaumont an. Um über die Grenze zu kommen brauchte sie einen Coronatest, Fiebermessen, füllte Fragebogen aus und stellte sich einer mündlichen Befragung. Auf großen Plakaten wurden die Hygieneregeln propagiert.

Erfahrungsbericht Haiti

Erfahrungsbericht Haiti von Leandra

 

Im Sommer 2019 habe ich, Leandra, mich zum ersten Mal gemeinsam mit 5 Ingenieuren von EWB aus Karlsruhe nach Haiti aufgemacht, um für 6 Wochen den Verein Pwojè men kontre vor Ort so gut wie mir möglich zu unterstützen. Hierüber werde ich im Folgenden berichten, wobei es sich um meinen persönlichen ersten Eindruck handelt, welcher, verglichen mit dem Bild nach jahrelangen und wiederholten Aufenthalten, sicherlich noch sehr unvollständig ist.

Vorher ein paar Worte zu mir und wie ich dazu gekommen bin, nach Haiti zu gehen: Ich studiere Medizin in Göttingen, weshalb mich im Besonderen die gesundheitliche Lage der Bevölkerung Haitis interessiert. Bis zum damaligen Zeitpunkt war mein Studium allerdings hauptsächlich theoretisch ausgerichtet. Vor meinem Haiti Aufenthalt habe ich schon eine Jahreshauptversammlung und ein Haiti Fest des Vereins Pwojè men kontre besucht, bin ansonsten allerdings sehr unvoreingenommen an die Sache herangegangen. Für Entwicklungsarbeit interessiere ich mich schon länger, hatte zuvor allerdings lediglich über Schule, Fernsehen etc. Kontakt damit und war somit sehr gespannt, was mich tatsächlich erwarten würde.

 

  1. August 2019, es ist Nachmittag, zusammen mit den Ingenieuren komme ich am Flughafen in Port au Prince (PaP) an, müde von der am Tag zuvor begonnenen Reise, aber vor allem gespannt auf die nun beginnende Zeit. Außer unserer Kontaktperson empfangen uns die haitianische Hitze und der Trubel einer Stadt, der ich auf den ersten Blick außer den gekauften, salzigen Kochbananenchips nichts abgewinnen kann: Die vorherrschende Farbe ist ein lehmiges Grau, es ist staubig, schwül, stinkt, Berge von Müll türmen sich an jeder Ecke. Das Gewimmel der vielen Menschen (von denen immer wieder einige versuchen über angebotene Dienstleistungen oder Waren an unser Geld zu kommen) könnte kaum unübersichtlicher sein. Lärm durch Fahrzeuge und die Menschen, die sich etwas mir bis dahin (trotz meiner Französich-Kenntnisse) unverständliches zubrüllen, geben dem Ganzen den Rest. Ab diesem Zeitpunkt geht auch die Reise haitianisch weiter und das viele, schwere Gepäck wird nebensächlich, denn die kommenden 8h sind wir vor allem damit beschäftigt, Nischen für sämtliche unserer Gliedmaßen zu finden und die laute, elektronische, haitianische Musik auszublenden, mit der alle in dem kleinen Bus beschallt werden, ob es ihnen gefällt oder nicht. Und dennoch, immerhin haben wir einen Sitzplatz und sehen aus dem Fenster: Lastwägen, so voll beladen mit Säcken, dass ich befürchte, es könne jederzeit einer verloren gehen, tragen obenauf noch Haitianer – liegend oder sitzend. Was bei einem kleinen Unfall passieren könnte, daran denkt niemand, will niemand denken, wenn es die einzige Möglichkeit ist, um einigermaßen schnell von A nach B zu kommen.

Wir sehen all dies, rümpfen vielleicht die Nase, staunen über alles, was wir so vielleicht bisher nur im Fernsehen gesehen haben und doch bleibt es „ein Abenteuer“ – in 6 Wochen werden wir alle wieder ordentlich angeschnallt im klimatisierten, ruhigen Privatauto, Zug oder Bus sitzen. Dass es hier viel weniger Vorschriften gibt, macht sich nicht nur beim Transport bemerkbar, sondern auch in Protesten, in der Aggressivität die wir immer wieder erleben und die ohne Kenntnisse der Sprache schlecht einzuordnen ist (handelt es sich nur um das übliche lautstarke Gezanke oder fließt gleich Blut?) sowie beim Besuch einer Tropfsteinhöhle: dort gibt es weder Licht, noch Pfade. Unser Guide läuft, wie einige von uns, barfuß auf den rutschigen Steinen.

Es ist mitten in der Nacht, als wir nach der Fahrt über holprige Straßen, um der auch noch nicht vollständig geteerten und nachts von Überfällen heimgesuchten „Rue Nationale“ auszuweichen, in Beaumont ankommen.

 

Im Waisenhaus ist längst Schlafenszeit, trotzdem haben sie uns etwas zu Essen vorbereitet. Es gibt gebackene Kochbananen und Lanm (auch ein stärkehaltiges Gemüse), Fleisch, Pickleys (ein wenig scharfer Kraut-Karottensalat); auf Kreyòl fritay, für das Waisenhaus ein richtiges Festessen. Obwohl sie fast nichts haben, wollen sie uns das Beste geben! Es ist diese Gastfreundschaft und Fürsorge, die ich auch später noch erleben darf und die anzunehmen mir nicht immer leicht fällt, wenn ich daran denke, in welchem Überfluss wir hier in Deutschland leben.

Die respektvolle Behandlung aller Helfer zieht sich durch meinen ganzen Aufenthalt. Die Menschen sind sehr freundlich zu uns, im Dorf wissen alle, warum wir hier sind. Und trotzdem darf man sich nicht zu sehr auf die Menschen dort verlassen. Die Menschen sind gerissen und machen sich gerne einen Spaß daraus, andere über’s Ohr zu hauen. Dies ist nicht böse gemeint ist, wie mir schnell klar wird, sondern mehr Teil ihrer Mentalität. Es gehört dazu zu verhandeln und misstrauisch zu sein, alles andere wird gnadenlos ausgenutzt. Für sich selbst das Beste herauszuschlagen bietet schließlich in vielen Situationen einen entscheidenden Überlebensvorteil, so meine Erklärung. Es gab beispielsweise einen Patienten, der intensive medizinische Versorgung brauchte, es ging um sein Leben. Sein jugendlicher Sohn kam mit ihm zu uns und erbat Hilfe, die Dr. Anke Brügmann ihm gewährt hat. Jedoch wäre zusätzlich eine intensive Pflege und Betreuung wichtig gewesen, die die Ärztin aufgrund der zahlreichen anderen Aufgaben, deren sie sich in Haiti widmet, nicht bewältigen konnte und die auch nicht in ihren Aufgabenbereich fällt. So bat sie darum, dass sich Angehörige um den Erkrankten kümmern sollten. Das ist in Haiti so üblich, examinierte Pflegekräfte sind für andere Arbeiten zuständig, als das, was gefordert war und für den jugendlichen Sohn wäre die Rund-um-die-Uhr-Betreuung doch recht viel verlangt gewesen. Als es aber wirklich darum ging, für den Kranken da zu sein, war von keinem seiner Angehörigen jemand zu sehen und es verstrichen Tage, die der Patient alleine ausharren musste und in denen sich Dr. Brügmann doch zu Aufgaben bewegen lies, die eigentlich wirklich nicht ihre sind. Keiner von ihnen konnte Verantwortung übernehmen. Die Erwachsenen erscheinen mir eher wie große Kinder und in meinen 6 Wochen konnte ich mich immer noch nicht ganz daran gewöhnen, dass diese sich (bis auf einige Ausnahmen natürlich) genauso wenig verantwortungsbewusst verhalten. Mangelnde Bildung und Erziehung ist überall bemerkbar und lässt sich nun einmal nicht durch Lebensjahre kompensieren.

Die schöne Seite an dieser Kindlichkeit ist, dass die Menschen auch zeigen, was in ihnen vorgeht: sind sie sauer, brüllen sie, freuen sie sich, tanzen sie (nach einer Geburt hat mir ein spontaner Freudentanz mit Gesang wirklich Tränen in die Augen getrieben), sind sie beleidigt, ist es unschwer zu erkennen. Das erleichtert das Miteinander ungemein, Missverständnisse was Emotionen angeht, sind selten.

Auch die Verbindung der Haitianer zur Musik ist völlig anders als bei uns. Den Kindern ist es nicht peinlich zu singen, sie singen mit einer Kraft und Freude auch unbekannte Lieder, die ich in Chören bei uns so nie erlebt habe. Bei den Instrumenten sind verschiedene Trommeln in der Überzahl, in einem Gottesdienst waren auch noch Schlagzeug und Gitarren dabei. Der Rhythmus liegt den Menschen im Blut, schon die Kleinsten trommeln oder schwingen ihre Hüften, wie ich es heute noch nicht kann. Ihre Lebensfreude und Begeisterungsfähigkeit ist wirklich ansteckend. Umso trauriger finde ich es, zu wissen, wie wenig all diese Menschen aus ihren Talenten machen können, wie wenig sie gefördert werden können. Die Instrumentenvielfalt und Qualität wie bei uns und ausgebildete Lehrkräfte gibt es einfach nicht.

Die Kinder auf der anderen Seite übernehmen schon deutlich mehr Verantwortung als Kinder bei uns. Schon die Kleinsten wissen, wie man sich um die noch kleineren kümmert, tragen oder wickeln diese mit dem Wissen, was ihnen von den älteren beigebracht wird und so versuche auch ich meine anfängliche Scheu im Umgang mit Babys abzulegen. Hier gibt es keine ständig wachsame Mutter, die nur sehr gut ausgewählte Menschen, nach langer Einweisung in die bevorzugte Art der Pflege und die verwendeten Produkte, an ihren Nachwuchs heranlässt. Man benutzt was es gibt und ist froh um jeden der hilft, hilft auch anderen gerne. Dennoch fehlt aber natürlich einiges an Wissen, was Gesundheit und Schutz der Babys angeht, trotz Anleitung von Dr. Anke Brügmann machen die Menschen es gerne wie gewohnt und das ständige Erinnern an eigentlich schon gesagtes zehrt an den Kräften.

Hat man dann einmal das Verlangen nach Ruhe, Muße und Spiritualität wird einem bewusst, wie selten das anzutreffen ist. In der Kirche ist die Predigt wie die Musik laut und aufrüttelnd, die Leute kehren nicht in sich sondern kommen aus sich heraus. Das Leben ist zwar sehr entschleunigt, dies liegt aber daran, dass vieles einfach nicht schneller geht. Was bei uns eine Aufgabe von Sekunden ist (wie das Auffüllen eines Glases mit sauberem Wasser) kann in Haiti Minuten dauern (einen sauberen Becher finden, je nachdem den Wasserfilter mit einem Eimer auffüllen mit Regenwasser aus Tonnen, die mehr oder weniger weit entfernt sind). All das ist mühsam und hindert einem daran, wichtige Aufgaben schnell zu erledigen. Und dennoch: Aufgaben wie das Waschen von Kleidung oder Befüllen von Pflanzsäckchen mit Erde haben am ehesten noch etwas meditatives.

 

An manchen Abenden zeige ich den Kindern einen Film auf dem Laptop, um den sich dann alle drängen. Meist sind sie so aus dem Häuschen, weil es so etwas Besonderes ist, das man kaum noch etwas versteht. Wenn dann dabei noch etwas zu essen verteilt wird, die Erwachsenen in normaler Lautstärke weiter reden, der Regen mit einer für uns unbekannten Lautstärke auf das Dach trommelt und die Filmsprache französisch ist (für die Kinder ja auch eine Fremdsprache) ist die Konzentration ganz dahin. Trotzdem gibt es Abende, an denen die Kinder dabei zur Ruhe kommen und manche auch schon auf meinem Schoß eingeschlafen sind. Diese Momente waren für mich etwas ganz besonderes und schönes, sie hatten etwas sehr familiäres.

Die Waisenkinder sind wirklich wundervoll! Trotz ihrer Schicksale und den unvorstellbar schlimmen Dingen, die die meisten erlebt haben, sind sie so stark, lebensfroh, rotzfrech, verspielt oder in verschiedenem Maß wissbegierig wie Kinder eben so sind. Wie bei uns haben alle ganz verschiedene Talente und ich finde es sehr schade, wie wenig individuell darauf eingegangen werden kann. Den Betreuerinnen fehlt dazu leider die Ausbildung und der Antrieb und es sind einfach zu viele Kinder. Umso wichtiger, dass freiwillige Helfer versuchen darauf einzugehen und  dass die Kinder über die Schule von Pwojè men kontre eine Perspektive für ihre Zukunft bekommen.

Es ist wirklich schön, den Schulanfang mitzubekommen, wie sich die Kinder aufgeregt richten und freuen. Im Unterricht merkt man allerdings, dass die Atmosphäre viel zu unruhig ist um sich wirklich gut zu konzentrieren. Noch fehlen einige Klassenräume, sodass in der Aula mehrere Klassen parallel untergebracht sind. Dort wird allerdings auch das Essen vorbereitet, was für die Kinder natürlich immer noch ein Highlight darstellt und sie somit ablenkt, genau wie die Größe der Klassen, der Lärm insgesamt und die Hitze. Auch sind die didaktischen Fähigkeiten der Lehrer begrenzt.

An Materialien fehlt es überall: Sobald die Waisenkinder in ihrer Freizeit Stifte und Papier zum  Malen bekommen, (wirklich ihr Lieblingshobby und ich werde wohl ihre Rufe: „Desen, desen!“=“Zeichnung, Zeichnung!“ noch ewig in den Ohren haben) beginnt ein Kampf darum, wer die meisten bekommt, sodass darunter leider oft der eigentliche Sinn dahinter verloren geht. Wer am besten verhandeln und sich am besten behaupten kann, bekommt am meisten. Das ist wohl, was sie eigentlich trainieren und was sicher anders wäre, hätten sie jederzeit Zugriff. So muss man wirklich darauf achten, dass nichts verloren geht. Und trotzdem: meine Haargummis, von denen die Kinder immer ganz fasziniert waren, habe ich immer zurückbekommen ohne danach zu fragen (wenn auch manchmal Tage später). Auf diese Weise kamen mir die Kinder reifer vor, als die Erwachsenen, genauso wenn es um das Wegwerfen von Müll in die Natur geht; ein Zeichen, dass die Arbeit des Vereins Früchte trägt. Denn was die allgemeine Lage in Haiti, wie beispielsweise die Ökologie angeht, gibt es noch viel zu tun, Vermüllung ist ein großes Problem.

Dabei ist die Natur Haitis doch so fantastisch! Die Berge, die Vielfalt uns unbekannter Pflanzen und Insekten (eines der Glühwürmchen beispielsweise war so groß, dass ich es für ein LED Lämpchen gehalten hätte, wüsste ich es nicht besser), die Geräusche, der starke Regen, der atemberaubende Sternenhimmel, der wirklich noch viel heller leuchtet als bei uns, die viel intensiver schmeckenden Früchte und riesigen Avocados. Von letzteren bekommen die Waisenkinder leider auch nicht viel zu sehen. Wieder eine Frage des Geldes und so bekommen die Kinder zur Zeit nur einen frisch gepressten Fruchtsaft in der Woche. Brandrodung durch die Bevölkerung hat leider viele Felder unfruchtbar gemacht. Auch der Müll der Menschen zerstört viel, was mir wieder vor Augen führt, wie wichtig Regeln und Möglichkeiten zur Müllentsorgung und eine Müllabfuhr sind. Es fehlt einfach insgesamt an vielen in unserer Zivilisation mittlerweile für selbstverständlich gehaltenen Errungenschaften.

 

So mangelt es in Haiti noch an vielen anderen einfachen Alltagshilfen, die für uns nicht mehr wegzudenken sind, die man dort allerdings erst einmal einführen muss. Auch das Sauberkeitsbedürfnis der Menschen ist deutlich geringer als bei uns. Ein richtiges Bad gibt es bisher erst im von EWB errichteten Mädchenwohnheim und auch dort ist es schwierig, bei all den kleinen Kindern ohne richtige Putzmittel und geeignete Tücher vor allem bei Regen und dem ansonsten lehmigen Boden das Badezimmer sauber zu halten. Der Geruch nach Urin ist allgegenwärtig und so wird für mich Rauch, der von der Kochstelle oder dem morgens zubereiteten Kaffee (wegen des Preises selten von Betreuerinnen und nie von Waisen getrunken) stammt, zu einem meiner liebsten Gerüche. Was für mich eine Herausforderung darstellt, sind die Menschen dort gewohnt, wieder ein Grund, warum sich alles so langsam ändert. Mit der schlechteren Hygiene gibt es auch deutlich mehr Infektionskrankheiten als bei uns, die Desinfektion von Wunden ist überaus wichtig und auch ich habe mir einen hartnäckigen Racheninfekt eingefangen trotz meines zumindest an deutsche Erreger ansonsten gut angepassten Immunsystems. Auch das Wissen, dass das nächste Krankenhaus (mit nur mangelhafter Versorgung) weit entfernt liegt, ist nicht gerade beruhigend. Die Menschen dort sind damit aufgewachsen, sie sind zäh und machen das Beste aus ihrer Situation. Ich war wirklich erstaunt, als ich das erste Mal einen alten, einbeinigen Mann mit selbst gebauten Krücken einen steilen Berg hinaufeilen sah, um zu einem Gottesdienst zu kommen. Vergleichbar legen hochschwangere Frauen alleine Tagesmärsche zurück, um sich von Dr. Brügmann beraten zu lassen. Gute Medikamente, Materialien und medizinische Geräte sind im Land leider spärlich und Krankenhausaufenthalte für die meisten Menschen nicht erschwinglich. Oft ersuchen Patienten daher auch erst spät Hilfe, wenn Krankheiten schon zu fortgeschritten sind um sie einfach zu behandeln. Jede Hilfe wird gebraucht.

 

Immer wieder bin ich hin und her gerissen: auf der einen Seite bin ich erschöpft, fühle mich vielleicht krank und habe das Gefühl mich viel zu einseitig zu ernähren um alle mir innewohnenden Kräfte mobilisieren zu können und will ich wie bei jeder Reise all die Dinge probieren, die es in diesem Land gibt und die ich von zu Hause nicht kenne. Auf der anderen Seite will ich (vor allem für eine so kurze Zeit) aber auch nicht mehr brauchen, als die Waisenkinder und Haitianer, die schließlich ihr ganzes Leben so verbringen. Meine eigenen Ansprüche an das Leben, die sich hier in Deutschland über die Jahre gebildet haben, kommen mir dekadent vor. Alles, was es für die Waisen abseits des wöchentlichen Speiseplanes gibt, ist auch für sie etwas sehr besonderes, können sie sich nur nicht leisten und die strahlenden, zufriedenen Gesichter zusammen mit dem schmatzenden Geräusch, wenn ich aus Deutschland mitgebrachte Nüsse und Rosinen verteile, oder wenn es Konparèt (ein haitianisches Gebäck mit Ingwer, was etwas an Lebkuchen erinnert, allerdings um einiges härter ist) gibt, werden mich noch lange zum Lächeln bringen. Schon nur 6 Wochen mit dem geringeren Lebensstandard machen mir deutlich mehr zu schaffen, als ich das gerne hätte, für die Haitianer ist dieser normal.

 

Mein Aufenthalt in Haiti hat mich zutiefst spüren lassen, wie zweigeteilt die Welt ist. Wie bei uns die Bettler auf der Straße die Ausnahme bilden, so sind es in Haiti die wohlhabenden Menschen. Diese, die bei uns als völlig normal und durchschnittlich gelten. Das macht mich traurig und wütend, hat doch keiner von uns etwas dafür getan, auf dieser Seite der Welt geboren zu sein. Es ist nur Glück.  Umso wichtiger finde ich es, etwas gegen diese Ungerechtigkeit zu tun und bewundere die Arbeit aller langjährigen Mitarbeiter von Pwojè men kontre oder auch EWB, allen voran Dr. Anke Brügmann, die niemals so effektiv etwas bewirken könnte, würde sie nicht einen Großteil ihres persönlichen Glücks hinten anstellen. Jede für uns kleine Spende hat für die Waisen oder Kranken in Haiti große Auswirkungen und wird mit größter  Achtsamkeit eingesetzt, nichts wird verschwendet.

Lebensmittelpakete werden dringend gebraucht

Die Lebensmittelverteilung ist erfolgreich abgelaufen. Die Leute haben sich auf die Pakete gestürzt. Während überlegt wurde, wie die Nachricht, dass Lebensmittepakete verteilt werden, verbreitet werden soll, standen schon viele Menschen da – noch lange bevor die Lebensmittel kamen.

Es scheint ein riesiger Bedarf gewesen zu sein. „Es sind alle gekommen, auch aus den ganz abgelegenen Bergdörfern. Wir müssen das in absehbarer Zeit wiederholen, offensichtlich hungern unsere Schülerfamilien und andere Familien.“ berichtet Frau Dr. Brügman.

Politische Situation auf Haiti und Berichte – Dezember 2019

Politische Situation auf Haiti – Dezember 2019

Auf Haiti erschweren die politischen Unruhen das tägliche Leben. Es gibt Demonstrationen, Straßenbarrikaden, Überfälle, geschlossene Geschäfte, Plünderungen, Knappheit von Benzin und bestimmten Lebensmitteln, entsprechend hohe Preise. Die Großimporteure halten gezielt Ware wie z.B. Mehl zurück, um die Preise hochzutreiben. Der Verkehr zwischen den Städten ist immer wieder ganz eingestellt. Entführungen haben in PauP (Port au Prince) wieder zugenommen. Bis Ende November wurden während eines Monats offiziell 49 Todesopfer der Unruhen gezählt, meist sind es Aktivisten. Nur einmal flog eine Handgranate auf einen vollbesetzten Bus, der komplett ausbrannte. Mehrere wichtige Krankenhäuser sind geschlossen, was Verlegungen unmöglich macht. So z.B. das große staatliche Krankenhaus in Les Cayes, das Krankenhaus La Paix in PauP, und das Bonne Fin in Cavaillon, das die wichtigste unfallchirurgische Anlaufstelle war. Ein Beispiel beschreibt Frau Brügmann: „Bei einem Neugeborenen, Sohn eines unserer Lehrer, bei mir entbunden, hatte ich den Verdacht auf eine schwere angeborene Fehlbildung, an der auch in Europa Kinder sterben, nämlich eine Ösophagusatresie, bei der ein Teil der Speiseröhre nur als Bindegewebsstrang angelegt und nicht durchgängig ist. Mit meinen einfachen Mitteln konnte ich natürlich nicht sicher sein. Der Weg nach Les Cayes war wegen der Unruhen nicht befahrbar, und das wichtigste Krankenhaus sowieso zu. Daher hatte ich Hugo gebeten, das Baby auf seiner Wochenendfahrt mit dem Auto seiner Familie mit nach Jeremie mitzunehmen, um erst einmal eine Diagnose zu stellen. Bei der Einfahrt in Jeremie flogen dann Steine auf das Auto, die Insassen haben es am Straßenrand stehen lassen und sind in ein fremdes Haus geflohen. Erst viel später konnten sie ohne Auto zum Krankenhaus durchkommen. Dort haben sie erst einmal mehrere Tage keinen Arzt gesehen, und als dann einer zur Verfügung war, wurde meine Diagnose leider bestätigt. Eine letzte Hoffnung war die Verlegung in ein Kinderkrankenhaus in Tabarre bei PauP, wo Amerikaner arbeiten, die schwierige Fälle auch mal in die USA mitnehmen. Die Inlandflüge waren aber über Wochen ausgebucht und bis wir eine Ambulanz bekommen konnten, war der Kleine tot.“

„Was wir besonders zu spüren bekommen ist, dass alle Ausbildungsstätten in den größeren Städten geschlossen blieben, Schulen, Berufsschulen und Universitäten. Einige Institutionen haben jetzt Ende November angefangen, andere sind weiterhin zu. Auch unsere eigenen Jugendlichen hingen dadurch in der Luft. Sie haben mindestens drei Monate verloren. Andere werden wohl ein Jahr verlieren. In PauP ist es noch schlimmer. Einige wenige Schulen machen dort jetzt auf, aber die Kinder und Studenten müssen unterwegs an Schießereien vorbei,“ berichtet Frau Brügmann.

Die Ingenieure der EWB Karlsruhe konnten nicht nach Haiti kommen. Es wäre sehr schwierig und gefährlich gewesen, eine Gruppe vom Flughafen die 150 km nach Beuamont durch die Barrikaden zu schleusen. Abgesehen davon gab es auch kein Baumaterial zu kaufen.  

Es gab internationale Verhandlungen, Haiti unter ein internationales Protektorat zu stellen. Da aber dabei der jetzige Präsident nominell an der Macht geblieben wäre, hat die Opposition diese Lösung abgelehnt und angekündigt, die Unruhen trotzdem fortzusetzen.  

Ein eindrucksvolles Bild kann man sich machen, wenn man die Reisebeschreibung von Frau Dr. Brügmann liest. Sie berichtet was sie von Beaumont bis zum Flughafen erlebt hat: „An den Tagen vor der Abreise hieß es, im Viertel Martissant werde wieder vermehrt geschossen, ich könne evtuell nicht durchkommen. Schließlich hieß es am Tag davor, es sei wieder ruhiger. Hugo [ein Vorstandsmitglied in Haiti – Anm. der Verf.], brachte mich früh morgens nach Les Cayes, dort war aber kein Bus zu bekommen, auch nicht einer der Kleinbusse, die sonst immer verkehren. Die Erkundigungen  ergaben, dass die Strecke vor Miragoane blockiert sei. Um weiter zu kommen mussten wir auf dem Schwarzmarkt Diesel für den doppelten Preis kaufen, denn alle Tankstellen waren geschlossen. Wir fuhren dann also mit dem eigenen Auto, bis wir bei Fond des Nègres auf die Schlangen von festsitzenden Lastern und Bussen stießen. Dort bin ich dann auf ein Motorradtaxi umgestiegen. Ich habe etwa 20 Barrikaden gezählt. Meist hatten sie einen Laster auf der Straße quergestellt und rechts und links mit Felsbrocken und Baumstämmen ergänzt. Wenn sich hier ein Auto durchzwängt, ist es zwischen den Barrikaden gefangen und man kann es bequem ausnehmen. Manchmal konnte sich das Motorrad vorbeizwängen, manchmal gab es Umwege auf schmalen Pfaden. Während der ganzen Fahrt betonte der Fahrer, dass das ja jetzt viel schwieriger als geplant sei und dass ich noch was auf den gezahlten Preis drauflegen müsse. Weit und breit kein Polizist. In Miragoane habe ich dann einen Kleinbus bekommen, der ziemlich kriminell nach PauP raste, nur noch einmal durch eine Unfallstelle aufgehalten, und Martissant war absolut friedlich. Als mein bestellter Helfer in PauP am Morgen des Abfluges nicht pünktlich kam, wollte ich schon mal loslaufen. Da gab es bei meinen Gastgebern einen Aufschrei, weil gerade an diesem Morgen wieder viele Passanten in diesem Viertel mit Waffen bedroht und ausgeraubt wurden. Als der Helfer dann doch kam, habe ich ihn mit dem Koffer vorauslaufen lassen, so dass nicht zu sehen war, dass wir zusammengehören. Ein Bandit hätte sich dann eher den weißen Passanten ausgesucht und nichts bei mir gefunden.

Aber wir hatten Glück. In der Wartehalle am Flughafen habe ich dann das Gespräch von anderen Reisenden mitbekommen, die sich gegenseitig erzählten, dass sie regelmäßig auf dem Arbeitsweg von bewaffneten Dieben abgefangen werden, und es satt haben, jedes Mal für den Nachhauseweg zu bezahlen. Wer es sich leisten kann, setzt sich ins Ausland ab.    

Neues von der Arbeit vor Ort:  

Landwirtschaft:

Bei der Wiederaufforstung sind Erfolge zu verzeichnen. Letztes Jahr wurden 2000 Setzlinge gepflanzt: Fruchtbäume: Papayas, Stachelannone. Diese Bäume sind sehr wichtig als Erosionsschutz, Feuchtigkeitsspeicher und Umwandler von Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff. Außerdem sind ihre Früchte wichtige Nahrungs- und Vitaminquellen.

Das Schwein Flavi wurde im November unruhig und kam auf Frau Brügmann zu. Sie wollte signalisieren, dass sie empfangsbereit sei. Schnell wurde ein Eber geholt und Flavi wurde gedeckt.

Auch bei den Hunden gibt es erfreulichen Zuwachs: zwei Welpen wurden zwischen den Felsen geboren, werden gut versorgt und sind wohlauf. Das Mädchen heißt Mila, der Junge Buki. Buki ist eine Figur aus einem Haitianischen Märchen. Die Hunde sind wichtig als Spielkameraden, aber auch als Wachhunde gegen Einbrecher.

Zwei Katzen wurden gestohlen. Katzen werden gebraucht, weil sie die Ratten bekämpfen. Es sind schon wieder zwei neue Katzen da. Sie heißen Tim und Cinderella. Tim ist nach einer Haitianischen Redensart genannt und Cinderella hat ihren Namen bekommen, weil sie so gerne in der warmen Asche liegt.

Medizin:

Nach wie vor kommen viele, viele Frauen, um zu entbinden oder zur Kontrolle bei Schwangerschaften. Ansonsten kommen vor allem Unfallverletzte und Kranke, die an Infektionskrankheiten leiden.

Es stehen täglich große Menschentrauben vor dem Tor. Bald ist Bürgermeisterwahl. Ein Kandidat meinte: der beste Platz für eine Wahlkampfveranstaltung sei das Tor von menkontre. Da würde man am meisten Menschen erreichen, weil hier immer Trauben von Menschen sich versammeln, die medizinische Hilfe benötigen.  

Schule:

Die Schule ist geöffnet. Wegen der Unruhen können einige Schulen nicht besucht werden.

Kinder und Jugendliche in Schule und Waisenhaus:

Viele Schüler*innen helfen mit: Ein Schüler, der vor dem Abitur steht, hilft z.B. mit Noten bei den Examen in Excel einzugeben. Die Schüler*innen helfen auch viel mit, Dinge zwischen den beiden Standorten hin- und herzutransportieren. Essen wird an einem Standort gekocht und muss auch zum anderen Standort gebracht werden. Samstags sind die Schüler*innen in der Landwirtschaft tätig. Natürlich waschen sie auch ihre Wäsche selbst. Auch die Betreuung von jüngeren Kindern wird oft von älteren mitübernommen. In der Baumschule sind Schüler*innen ebenfalls eingebunden. Manche sammeln auch die Kerne der Tomaten, trocknen sie und geben sie ab, damit man Tomatensetzlinge ziehen kann.  

Bauen:

Sozialwohnungen in der Stadt sind teilrenoviert. Dort leben ehemalige Schüler*innen, um eine Ausbildung zu machen. Kantine: Der Speisesaal ist fast fertig. Es gibt zwar noch keine Möbel, aber Platz! Der Platz bedeutet, eine große Entlastung. Auch die Regale sind in der Kantine eingebaut. Jetzt können Lebensmittel in größeren eingekauft werden, wenn es welche gibt. Es gibt nun genug Lagerkapazität. Momentan wäre es für die Ingenieure aus Karlsruhe aufgrund der Unruhen viel zu gefährlich nach Haiti zu fliegen. Aber es können auch Arbeiten ohne die Ingenieure verrichtet werden. Die Jugendlichen tragen z.B. Geröll vom Aushub in Handarbeit weg. Im kommenden Jahr stehen folgende Arbeiten an, wenn die Ingenieure wieder kommen können: Die Wasserversorgung muss in Angriff genommen werden. Die Zisterne muss fertig gebaut werden. Die Kantine braucht Gasanschlüsse, Gaskocher und die Wasserversorgung. Im Moment wird jemand gesucht, der ein oder mehrere Wohnhäuser in Holzbauweise in Fontrankil, dem zweiten Standort bauen kann. Dort werden dringend Wohnhäuser für die Kinder und Jugendlichen benötigt, die noch am alten, gefährlichen Standort wohnen. gebaut wird.

Bericht aus Haiti – September 2019

Wie geht es nach der Schule weiter? Was machen Schüler*innen, wenn sie mit der Schule fertig sind und aus dem Waisenhaus ausziehen?

„Dieses Jahr werden 7 Jugendliche eine Berufsausbildung beginnen, davon 4 Abiturienten, für 5 weitere (vor allem Behinderte) suchen wir nach einer einfachen handwerklichen Ausbildung neben der Schule. Diesmal sind es überwiegend junge Erwachsene, die keine Familie haben. Deswegen müssen wir ihnen Wohnraum anbieten, wenn wir sie nicht auf die Straße setzten wollen. Nach viel hin und her haben wir uns entschlossen, uns nach Les Cayes zu orientieren. Alternativen wären Jeremie und PauP gewesen. Jeremie ist recht teuer und hat weniger Auswahl. PauP ist weiter sehr gefährlich, besonders Wohnraum sehr teuer, sehr weite teure und zeitraubende Anfahrtswege (oft 2 Stunden einfache Fahrt mit mehreren Verkehrsmitteln durch Staus.). In Les Cayes haben wir für alle 7 einen möglichen Ausbildungsplatz ausgewählt. Gemieteter Wohnraum ist überall unverhältnismäßig teuer, aber als Übergangslösung unvermeidbar.  Wir haben das Viertel ausgesucht, wo die Schwester eines Mitarbeiters mit ihrer Familie lebt und so ab und zu nach dem Rechten sehen könnte. Für Bauplätze hätten wir mind. 2 Angebote. Baukosten hängen von der Bauart ab, ich will aber erst einmal nur 2 Räume für Jungs und Mädchen bauen und dann nach und nach ergänzen,“ beschreibt Frau Brügmann. Fächer, die die Schüler*innen für die Ausbildung oder für das Studium ausgewählt haben sind: Verwaltungswissenschaften, Buchhaltung, Erziehungswissenschaften, Agronomie, Fliesenleger, Kindergartenhelferin, und einmal Näherin.

Ein Abiturient würde gerne in einen Orden eintreten, der eine Schule unterhält und Priester werden.

Schulbeginn in unserer Schule:

Die Menkontre-Schule wurde am 9.9. eröffnet. Zum Schulanfang sind immer viele Sonderausgaben, nicht nur für die Menkontre-Schüler*innen, sondern auch für die Kinder in weiterführenden Schulen: Uniformen, Bücher, Schulmaterial, Schulgelder usw.
Die Lehrer der ersten und zweiten Klasse hatten ein einwöchiges staatliches Seminar kurz vor Schulanfang, für die Teilnehmer des Nèt-ale-Programms. Dadurch bekommen wir gute Schulbücher und Arbeitshefte gratis.

Lebenshaltungskosten sind gestiegen.

Leider mussten die Gehälter kräftig erhöht werden, da die Lebenshaltungskosten massiv gestiegen sind. Frau Dr. Brügmann berichtet: „Die Kinder bekommen nur einmal in der Woche etwas Fruchtsaft und nur selten Obst.“

Waisenhaus

Im Waisenhaus gab es freie Plätze, da Jugendliche ausgezogen sind. 3 neue Kinder wurden aufgenommen. Für diese werden noch Paten gesucht.

Baustelle:

Die Grube für die Zisterne wurde von einem großen Bagger in 3 Tagen ausgehoben. Ansonsten konzentrieren sich die Engineers without Boarders auf die Fertigstellung der Kantine. Insbesondere wurden jetzt die Fundamente für den Speisesaal erstellt.
„Wir haben die Vorschulklassenzimmer fertig angestrichen, die anderen haben leider noch nicht die richtige Farbe. Außerdem haben wir angefangen, das Lebensmitteldepot mit Regalen auszustatten. Die dringenden Reparaturen im Waisenhaus Nan Ginen laufen im Moment. Zum Schulanfang waren wieder Reparaturen und Ergänzung von Schulmöbeln notwendig, aber durch das Material aus Deutschland nicht so viel wie sonst,“ erzählt Frau Brügmann.

Besuch von der Medizinstudentin Leandra Haas

Seit August hilft Leandra Haas an allen Ecken und Enden mit. Sie ist ein sehr großer Gewinn und eine riesige Unterstützung.

Medizin

Es kommen immer mehr Patienten. „Leider nimmt die Geburtshilfe immer mehr überhand. Zwischen dem 15. Juli und dem 6.September habe ich 44 Schwangere betreut, von einmaligen Untersuchungen bis engmaschiger Betreuung, und schließlich viele entbunden…

Zurück aus Haiti

von Stefan Willeitner

Stefan Willeitner ist wieder zurück aus Haiti und hat einige Bilder mitgebracht. Er schreibt dazu:

Es war schön, alle Kinder und Jugendlichen wiederzusehen und mit ihnen
gemeinsam den Alltag zu teilen und etwas zu unternehmen. Der absolute
Renner bei den Spielen ist „Mensch ärgere dich nicht“, das wie bei uns,
aber auch abgewandelt mit zwei Würfeln gleichzeitig, gespielt wird und
das in allen Altersklassen. Die Spielbretter hat die Französische Schule
in Tübingen für uns hergestellt.
Bei den Ausflügen waren die Fahrten an einen kleinen Fluss mit verschie-denen Becken, ans Meer und in eine Tropfsteinhöhle die Höhepunkte.
Ich habe in einem Zimmer auf unserem alten Gelände übernachtet. Dort
bin ich manchmal durch Verkehrslärm oder laute Musik geweckt worden.
Die jetzt geteerte neue Nationalstraße geht direkt an unserem Gelände
vorbei und die Fahrzeuge rasen entsprechend.
Da war es richtig wohltuend auf unserem neuen Gelände ohne Verkehrs-lärm und viel Grün. Daher ist es so wichtig, dass auf dem neuen Gelände die Schulkantine und neue Klassenzimmer gebaut werden. Dann müssen die externen Kinder nicht mehr die gefährliche Nationalstraße entlang zur
Schule laufen.

Spaß mit den neuen Spielen

In der Tropfsteinhöhle

Schwimmen im Meer

Englisch Nachhilfe