Landwirtschaftsprojekt
SES-Experte bringt Landwirtschaftsprojekt voran
Im November/Dezember 2011 war Alfred Barkow vom Senior Experten Service (SES) zum ersten Mal für drei Wochen in Haiti, um unser Landwirtschaftsprojekt voranzubringen. Barkow hat als Agrarwissenschaftler vor allem den Ausbau unserer Landwirtschaft geplant. Das Ziel ist, mit seiner Hilfe zunächst die Selbstversorgung unserer Institution mit Grundnahrungsmitteln zu verbessern, aber es sollen auch zunehmend Lebensmittel produziert werden, die sich zur Weiterverarbeitung eignen. Langfristig sollen mit dem Landwirtschaftsprojekt in unserer sehr strukturschwachen Gegend Arbeitsplätze geschaffen werden. Barkow hat nun aus verschiedenen Bewerbungen einen aus der Region stammenden Landwirtschaftstechniker ausgewählt, der vor Ort für Kontinuität im Projekt sorgen soll. Wir haben viele Grundstücksangebote besichtigt und konnten unsere Produktionsfläche um einige Parzellen erweitern. Zum Teil war es auch aus Umweltschutzgründen notwendig, ein Grundstück zu erwerben. Zum Beispiel wurde der Hang oberhalb unserer Wasserquelle vom Vorbesitzer regelmäßig abgebrannt und ist stark von Erosion betroffen. Nun wollen wir hier intensiv aufforsten, um die Quelle zu schützen. Um weitere Grundstücke wird noch verhandelt.
Das Landwirtschaftsprojekt
Zum Waisenhaus gehört eine kleine eigene Landwirtschaft, die zur Selbstversorgung unserer Einrichtungen beitragen soll, und wo die Kinder mit landwirtschaftlichen Techniken vertraut gemacht werden sollen. Interessierte Kinder haben ihr eigenes kleines Feldstück. Daneben halten wir Hühner, Ziegen, Kühe und Schweine. Wir haben auch einen Garten für den Landwirtschaftsunterricht in der unserer Schule. Im November hat der Zyklon Thomas einen Teil der Ernte in unserer Region vernichtet und unsere Aktivitäten durch starke Regenfälle über Wochen behindert.
Schon lange hatten wir die Notwendigkeit gesehen, auch Ausbildungs- und Arbeitsplätze für unsere Jugendlichen zu schaffen. Es werden jetzt in den nächsten Jahren immer mehr Jugendliche die Schule abschließen, aber es gibt vor Ort keinerlei Perspektiven für sie. Wir setzen vor allem auf die Weiterverarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten, weil wir damit mit den lokalen Rohstoffen etwas produzieren, was direkt vor Ort gebraucht wird und unabhängiger von Importen macht.
Wir prüfen zunächst die Verarbeitung in fünf Bereichen: Speiseöl, Verarbeitung von Früchten zu Saftkonzentrat und Konfitüren, Kaffee und Kakao, Milchprodukte, Herstellung von Mehl aus Maniok, Kochbananen und Brotbaumfrüchten.
2010 wurde bereits eine Studie zu diesem Thema erstellt, die dieses Jahr durch weitere Untersuchungen ergänzt werden soll. In einem ersten Schritt wurden im März 2011 alle landwirtschaftlichen und weiterverarbeitenden Aktivitäten als eigenen Projektbereich zusammengefasst. Durch eine Intensivierung unserer Landwirtschaft soll die Selbstversorgung unserer Projekte entscheidend verbessert werden. Zusätzlich wird mit Kulturen experimentiert, die sich zur Weiterverarbeitung eignen. Als erste berufsfördernde Maßnahme wurde eine kleine Bäckerei eingerichtet.