Vereinsnachrichten
Jahreshauptversammlung 2013
Protokoll der Jahreshauptversammlung des Vereins Pwojè men kontre Haiti-Deutschland e.V.
in Wolfach am Samstag, dem 9. März 2013 um 18 Uhr
im evangelischen Gemeindehaus Wolfach, Vorstadtstr. 22
Die Einladung der Mitglieder erfolgte fristgerecht.
TAGESORDNUNG
1. Begrüßung
2. Jahresbericht Deutschland 2012
3. Jahresbericht Haiti 2012
4. Kurze Bildpräsentation
5. Kassenbericht 2012
6. Geplante Aktivitäten Deutschland 2013
7. Geplante Aktivitäten Haiti 2013
8. Vorstandswahl
9. Verschiedenes
1: Begrüßung (Mario Laroche)
Mario Laroche eröffnet die Jahreshauptversammlung und begrüßt die Anwesenden. Er dankt der evangelischen Kirchengemeinde Wolfach für die unentgeltliche Nutzung des Gemeindesaals. Von der Presse ist Herr Buchta vom Offenburger Tageblatt anwesend, vom Schwarzwälder Boten kann aus Krankheitsgründen kein Vertreter kommen. Es sind 28 Mitglieder und 17 Interessierte gekommen.
(Anmerkung: wegen der Länge der Sitzung waren zum Zeitpunkt der Wahlen TOP 8 nur noch 25 Vereinsmitglieder anwesend.)
Herr Laroche stellt den Vorstand vor und entschuldigt Dr. Fritz Schondelmaier, der leider erkrankt ist. Als Gast vom SES ist Herr Alfred Barkow da, der zur Landwirtschaft in Beaumont berichten wird.
Auf Antrag wird unter TOP 9 Verschiedenes über den Vergleich der haitianischen mit der deutschen Satzung gesprochen.
Als Protokollführerin wird einstimmig Ute Arndt gewählt, die die Wahl annimmt (siehe Wahlprotokolle).
Das Sitzungsprotokoll und der Kassenbericht werden auf der Homepage des Vereins veröffentlicht.
2: Jahresbericht Deutschland 2012 (Ute Arndt)
Der Vorstand traf sich 5 Mal zu ausgedehnten, meistens ganztägigen Sitzungen und beriet sich, auch mit Experten, zu den verschiedenen Themen; vieles wurde aber auch zwischendurch über mails und per Telefon geregelt. Jeder hat in seinem Bereich viel gearbeitet: Kasse, Datenbank, Spenderkontakte, Organisation aller Art, Vorbereitung der Reisen und Arbeit der Helfer in Haiti – sehr zeitaufwändig! – , es gab Patenpost und Briefaustausch zwischen Schülern in Haiti und Deutschland, sowie 2 Rundbriefe bzw. –mails. Für die viele Arbeit mit den Patenschaften bedanken wir uns bei Christa Seck, Monika Kaspar und Milena von Zelewski sehr herzlich!
Die Homepage des Vereins wird weiter von Claus Schmalholz aus Hamburg betreut und kontinuierlich aktualisiert; es lohnt sich also, sie immer mal wieder anzuklicken.
Der zweite eigene Container wurde von Georg und Silvia Lehmann mit Helfern aus der Frauengemeinschaft Schapbach gepackt und auf die Reise geschickt und ist bereits in Haiti angekommen.
Inzwischen ist Anke Brügmann jedes Jahr lange in Haiti und setzt sich dort rund um die Uhr für unsere Projekte ein. In den Zeiten hier in Deutschland war sie auch im vergangenen Jahr viel unterwegs, um von ihrer Arbeit zu berichten. Da sind Vorträge und Treffen im Saarland, Rheinland, an der Bergstraße und natürlich im Schwarzwald zu nennen (Oberkirch, Gaggenau, Biberach), die auch immer wieder zu neuen Kontakten führen, so dass der Verein jetzt 313 Mitglieder hat .
Im Januar waren das erste Mal zwei Zahnärzte mit in Haiti. Ihre Arbeit wäre nicht möglich gewesen durch die Hilfe der hiesigen Zahnärzte Drs. Wegner, Kneipp und Wöhrle aus Wolfach und Haslach, der Firma AP Sensing von Clemens Pohl aus Böblingen und des Dental-Labors Heidelberg.
Auch im vergangenen Jahr haben wieder viele Menschen Veranstaltungen zugunsten unseres Vereins durchgeführt. Stellvertretend für viele andere möchte ich die Schulen in Hausach, Biberach, Gottenheim und Oberkirch sowie die Schule am Limberg in Wallerfangen/Saarland und Oberndorf am Neckar erwähnen, die durch viele unterschiedliche Veranstaltungen und kontinuierliche Schülerprojekte Pwojè men kontre unterstützen. (Konzerte, Märkte, Sportveranstaltungen). Auch für dieses Jahr ist schon wieder einiges geplant, z.B. ein Sponsorenlauf in Wallerfangen am 21. März.
Es sind auch viele Familienfeiern zu nennen, bei denen viel Geld gespendet wurde und nicht zu vergessen die privaten Spender und Helfer.
Ein ganz herzliches Dankeschön an alle, die unsere Arbeit in Haiti immer wieder unterstützen!
3. Jahresbericht Haiti 2012 (Alfred Barkow, Günther Stuffler, Dr. Anke Brügmann)
Dr. Anke Brügmann war im vergangenen Jahr 4 Mal in Haiti. Im Januar 2012 wurde sie durch den Landwirtschaftsexperten Alfred Barkow und den Vermessungsingenieur Theodor Johannsen begleitet, im Sommer von dem Bauingenieur Knut Herdemerten, im Herbst war wieder Alfred Barkow dabei und im Januar 2013 ein Team aus den Zahnärzten Nina Schondelmaier und Sebastian Engelhardt sowie Dr. Fritz Schondelmaier und Günther Stuffler.
a) Landwirtschaft (Alfred Barkow)
Herr Alfred Barkow gibt einen Überblick über den momentanen Stand des Landwirtschaftsprojektes.
Nach zunächst vielversprechendem Beginn während seiner ersten beiden Einsätze gab es 2012 einige Rückschläge. Der angestellte Agrartechniker hat sich leider nicht an die besprochenen Arbeiten und ausgearbeiteten Anbaupläne gehalten und die Arbeiten nicht fortgeführt, so dass er Ende 2012 entlassen werden musste. Inzwischen wird mit einem Agraringenieur aus Jeremie verhandelt und zusätzlich versucht, über den AGEH Experten anzustellen.
Während des dritten Arbeitseinsatzes im Herbst 2012 wurde die Anbauplanung für 2013 vorgenommen und höhengeeignetes Saatgut für verschiedene Gemüsekulturen beschafft. Im Container befindet sich Soja-Saatgut, der Anbau soll dieses Jahr getestet werden. Ein Teil der Anbaufläche des Vereins besteht aus einer vernachlässigten Kaffeeplantage; der Kaffee-Anbau könnte so in Zukunft zu einer Einnahmequelle werden.
Das primäre Ziel der landwirtschaftlichen Produktion besteht jedoch in der Eigenversorgung mit Nahrungsmitteln für Waisenhaus und Schule. Bei Yams und Maniok könnte der Bedarf gedeckt werden, Reis und Mehl müssen jedoch zugekauft werden, weil ein Anbau dort oben in Beaumont nicht möglich ist. Zur Düngung werden Kompost und Ernteabfälle verwendet, Chemie wird nicht eingesetzt.
Die Viehhaltung (Schweine, Ziegen, Schafe, 3 Kühe, Hühner, Kaninchen) versorgt Waisenhaus und Schule mit Fleisch bei den großen Festen, für die wöchentliche (geringe) Versorgung reicht sie nicht aus. Bei der Hühnerhaltung gibt es immer wieder Probleme durch Krankheiten.
Die Arbeit in der Landwirtschaft bedeutet in Haiti zunächst einmal schwere Arbeit, denn maschinelle Unterstützung gibt es nicht. Dazu hat dieser Erwerbszweig kein hohes Ansehen, da es die Arbeit der Unterschicht und damit der Armut symbolisiert. Daher muss zunächst der längerfristig geplante Anbau gelernt werden. Von den Waisenhauskindern möchten 5 Agronom werden und alle helfen mit bei den Arbeiten in der Landwirtschaft (Anbau, Ernten, Verarbeitung, Tierhaltung, Schlachtung).
Der Hurrikan Sandy führte auch bei uns zu Verlusten beim Mais, Bananen und Yamsanbau, doch konnten aus den umgeknickten Bananenstauden neue Stecklinge gewonnen werden, die gut angegangen sind.
Entwicklungsperspektiven gibt es bei Maniok und der Weiterverarbeitung (Maniokkette), sowie bei der Erdnussweiterverarbeitung, aber auch bei Obst, Gemüse (Tomaten usw.) und Kaffee (s.o.). Geräte zur Weiterverarbeitung können z.T. vor Ort in einer Manufaktur in Camp Perrin gekauft werden; eine Ölpresse ist bereits gekauft und im Container.
b) Nationalstraße und Ausbau (Günther Stuffler)
Günther Stuffler berichtet von seiner Tätigkeit im Januar 2013.
Der geplante Ausbau der Nationalstraße 7 hat uns im vergangenen Jahr daran gehindert, notwendige Investitionen zu tätigen und dringende Renovierungen vorzunehmen. Die Nationalstraße von Port-au-Prince nach Jeremie ist fertig bis auf 20-30 km durchs Gebirge um und in Beaumont. Während des gesamten Jahres prägten immer wieder unterschiedliche Planungen über den Verlauf des geplanten Straßenausbaus in den verschiedenen Gremien (haitianische Regierung/ Department/ Stadtverwaltung Beaumont/ Botschaften der Geldgeber/ Straßenbaufirmen) die Arbeit. Es standen und stehen weiterhin 3 Varianten im Raum (siehe Plan Beaumont):
- I. der Ausbau der bisherigen Trasse direkt am Waisenhaus vorbei
- II. der Bau einer südwestlicheren Umgehung durch das Viertel Nan Izin (vorbei am Gymnasium der Stadt Beaumont und unserem neuen Schulgrundstück)
- III. eine mittlere Variante unter Umgehung des Stadtzentrums und mit Treffen auf die bisherige Trasse hinter dem Waisenhaus.
Je nachdem, auf welcher Trasse die Straße ausgebaut wird, müssten wir mit unserer Einrichtung umziehen (I.) oder könnten am bestehenden Standort alle notwendigen Renovierungen und Erweiterungen vornehmen (II.). Da nach dem Kündigen der bisherigen brasilianischen Straßenbaufirma im Dezember 2012 nun wieder alle Planungen offen sind, besteht das Dilemma der Planungsunsicherheit für uns weiter.
c) Straße, Waisenhaus und Schule u.a. (Dr. Anke Brügmann)
Für Dr. Anke Brügmann ist die momentane Situation, d.h. der Verkehr verläuft auf dem als Straße genutzten Weg im Zustand eines Feldweges direkt am Waisenhaus vorbei, untragbar und das Horrorszenario wäre, wenn dieser Zustand durch fehlende Fortführung des Straßenausbaus bestehen bliebe. Wir hoffen darauf, dass möglichst bald über den endgültigen Verlauf der Straße entschieden und mit dem Bau begonnen wird, dann könnten wir uns auf die Gegebenheiten einstellen. Im Vorstand haben wir als Termin für unsere Entscheidung Ende August gesetzt, wenn Anke Brügmann wieder in Deutschland ist.
Im Waisenhaus leben zur Zeit 76 Kinder und Jugendliche zwischen 10 Monaten und 20 Jahren. Für die großen Jugendlichen brauchen wir dringend eine Perspektive in Form von betreutem Wohnen, um sie aus der Enge des Waisenhauses auf ein selbständiges Leben vorzubereiten. Der Bedarf und die Eignung der Einzelnen kann nur im Einzelfall und nicht starr nach Alter entschieden werden und betrifft Jugendliche etwa zwischen 16 und 20 Jahren. Die jungen Leute sind ja zum Teil noch nicht so lange in der Schule und durch ihre Herkunftsbedingungen nicht altersgemäß entwickelt. Für kleinere Wohngruppen, wie wir sie bei der Größe des Waisenhauses anstreben, sind neue bauliche Voraussetzungen notwendig, die wir so bald wie möglich beginnen wollen, wenn der Standort fest steht. Es ist positiv, dass die Kinder fröhlich sind und gerne in die Schule gehen.
Die Betreuung von externen Patenschaften (es gibt noch 21) wird zurückgefahren und durch das Sozialhilfeprogramm ersetzt. Die Familien erhalten also weiter Hilfe, auch durch das Ermöglichen vom kostenlosen Besuch unserer Schule. Im Sozialhilfeprogramm werden Alte, Kranke, Erdbebenflüchtlinge und bedürftige Familien unterstützt durch Lebensmittelverteilungen und die Möglichkeit, in unseren Sozialwohnungen zu wohnen. In den Sozialwohnungen mit 31 Zimmern sind z.Zt. 20 Familien mit 81 Personen untergebracht.
In der Menkontre-Schule werden 225 Schüler von 11 Lehrern unterrichtet in 3 Vorschulgruppen und den Klassen 1 bis 6 (3. Klasse zweizügig). Die Schule genießt große Anerkennung in der Region und im letzten Jahr haben alle die staatlichen Abschlussprüfungen bestanden. Das ist ein großer Erfolg auch für M. Valleur, unseren Direktor und in Haiti selten. Das staatliche Schulprogramm ist aber auch für unsere Schule problematisch, da in immer kürzerer Zeit immer anspruchsvollere Lehrpläne erfüllt werden sollen.
Der Container und auch die dazugehörenden Papiere sind in Port-au-Prince angekommen; bis er aber entzollt und in Beaumont angekommen ist, kann noch einige Zeit vergehen.
Auf unserer Personalliste stehen 52 Personen (incl. Teilzeitkräfte) und damit sind wir ein größerer Arbeitgeber in Beaumont. Das Gehaltsbudget umfasst 4500 €/Monat, das sind im Durchschnitt 100 € pro Person. Dieses Budget wird im Lauf der Zeit erhöht werden müssen. Für jeden Arbeitnehmer zahlen wir 2 € auf ein Konto als eine kleine Sozialversicherung.
Im Bereich Gesundheit unterhalten wir eine kleine Ambulanz, in der Waisenhauskinder, Schüler und Notfälle aus dem Stadtviertel behandelt werden. Auch das Krankenhaus schickt immer wieder Patienten zur Behandlung; so gibt es z.B. nur in der Waisenhausambulanz Gips, um Brüche zu versorgen. Es gab Impfungen durch das staatliche Gesundheitsamt und zum 1. Mal einen Aids-Test: alle Kinder sind nicht infiziert. Lucner, dessen Gesundheit letztes Jahr große Sorgen gemacht hat, geht wieder in die Schule, er wird aber mit seiner Krankheit leben müssen. Ein großer Erfolg war der erste, ehrenamtliche Einsatz von den Zahnärzten im Januar. Dr. Fritz Schondelmaier gebührt großer Dank dafür, dass er diesen Einsatz durch sehr viel Arbeit auch schon im Vorfeld überhaupt ermöglicht hat! Bisher waren Zahnarztbesuche selten und nur unter allergrößten Schwierigkeiten möglich, denn der nächste Zahnarzt befindet sich in Les Cayes, viele Fahrstunden entfernt.
4. Kurze Bildpräsentation (Dr. Anke Brügmann)
Dr. Anke Brügmann zeigt eindrucksvolle Fotos aus Beaumont. Man sieht viele fröhliche Kinder in der Schule, beim Spielen, bei Haus- und Gartenarbeiten, bei Festen, aber auch ernste Gesichter an Allerseelen beim Gedenken an Kervens, der vor 2 Jahren an der Cholera gestorben ist, und die toten Eltern der Kinder.
Die Landschaft besticht durch ihre Schönheit. Es ist aber auch zu sehen, dass es für manche Menschen immer noch keine zufriedenstellenden Lebensverhältnisse gibt; so muss z.B. eine Familie unter einer Plastikplane leben, nachdem ihre Hütte im Zuge der Straßenbaumaßnahmen niedergewalzt wurde; auch andere Hütten sind sehr einfach.
Sigrid Fridrich leitet zum nächsten TOP über und unterstreicht, dass das Team von Pwojè men kontre in Haiti sehr viel leistet und wir diese Arbeit von Deutschland aus nur unterstützen können.
5. Kassenbericht 2012 (Dr. Gerd Brügmann, Dr. Anke Brügmann)
a) Kassenbericht Deutschland(Dr. Gerd Brügmann)
Die Einnahmen in 2012 beliefen sich auf ca. 255 000 €, die Ausgaben bestanden zum größten Teil aus Überweisungen nach Haiti, Einkauf von Material für Haiti sowie der Finanzierung des Containers. Von den ca. 6000 € Flugkosten kamen uns ca. 4000 € wieder als zweckgebundene Spenden zugute.
Die hoch erscheinenden Rücklagen des Vereins sind durch den momentanen Investitionsstau entstanden und für die dringend nötigen Bau- und Sanierungsmaßnahmen fest verplant.
Die genauen Zahlen entnehmen Sie bitte dem detaillierten Kassenbericht.
b) Kassenbericht Haiti (Dr. Anke Brügmann)
Die Aufschlüsselung der Kasse in Haiti zeigt deutlich, dass die Ausgaben für die gesamte Versorgung der Waisenhauskinder sowie die Personalkosten in allen Projektbereichen den größten Teil der Ausgaben ausmachen. Die medizinischen sind so gering, weil Anke Brügmanns Arbeit ehrenamtlich geleistet wird und das Material zum großen Teil gespendet wurde. Die entstandenen Kosten ergeben sich aus Arztbesuchen bei externen Ärzten, im letzten Jahr z.B. für Lucner.
Zusammenfassung nach Projektgruppen (Beträge in $Ht; ca.10 $Ht = 1 Euro)
- Gesundheit: 20 476,40 = 1%
- Verw.+Logistik: 74 273,60 = 4%
- Landw.+Weiterv.: 151 361,00 = 8%
- Schule: 273 448,00 = 14%
- Hilfe extern: 368 588,00 = 19%
- Alle Gehälter: 472 749,00 = 24%
- Waisenkinder: 579 521,72 = 30%
- Gesamt: 1 940 417,72 = 100%
Geringe Ungereimtheiten (18 € Überschuss) ergeben sich aus den Umrechnungen von €, US$ und $Ht.
Genaueres entnehmen Sie bitte dem detaillierten Kassenbericht mit den genauen Zahlen und Diagrammen.
c) Bericht Kassenprüfung (Ingrid Bräutigam)
Die Kasse wurde sehr sorgfältig von Ingrid Bräutigam und Gerhard Hansert geprüft. Es lagen neben den Kassenberichten die Kontoauszüge sowie Quittungen und Rechnungsbelege aus Deutschland und Haiti vor. Die Stichproben ergaben keine Beanstandungen. Daher wurde die Entlastung des Vorstandes vorgeschlagen, diese wurde von der Versammlung einstimmig bei Enthaltung des Vorstandes angenommen.
6. Geplante Aktivitäten Deutschland 2013 (Ute Arndt)
Häufig werden wir gefragt, ob es möglich ist, Briefe oder Päckchen an die Kinder in Beaumont zu schicken. Dazu möchte ich noch kurz anmerken, dass Anke Brügmann gerne Briefe (möglichst auf Französisch) mitnimmt für die Kinder im Waisenhaus und der Schule. Es ist aber nicht möglich, selbst etwas hinzuschicken, weil es keine Post gibt wie wir sie kennen. Eine postalische Zustellung gibt es nur in Port-au-Prince an Postämter zum Selbstabholen; in Beaumont gibt es keine Post. Für uns hier ist das schwer vorstellbar.
Die Vortrags- und Veranstaltungsarbeit wollen wir wieder intensivieren. Durch die langen Abwesenheitszeiten der Vorsitzenden in Haiti konnten einige geplante Aktionen noch nicht durchgeführt werden. Sobald wir etwas klarer sehen, wie es mit dem Standort des Projektes in Haiti weiter geht, möchten wir unseren Flyer aktualisieren.
Inzwischen engagieren sich viele Schulen regelmäßig für die Menkontre Schule. Dafür soll es als festen Ansprechpartner Kathrin Brügmann-Straub geben. Es ist auch daran gedacht, den deutschen Schulen eine Plattform auf unserer Homepage einzurichten, wo sie über ihre Aktionen berichten können.
Für ehrenamtliche Mitarbeit gibt es jede Menge Möglichkeiten, durch das Internet ist es möglich, auch aus anderen Regionen im Verein mitzuarbeiten; doch sind natürlich gerade auch Helfer aus Wolfach, dem Heimatort des Vereins, willkommen.
Da wir alle ehrenamtlich arbeiten, können und wollen wir uns nicht mit großen Hilfsorganisationen messen, dadurch sind aber auch die Verwaltungskosten sehr gering. Im Januar 2014 werden die Spendenquittungen zusammen mit einem Brief verschickt. Einen wichtigen Termin können Sie sich schon vormerken: die nächste JHV wird am 29.3.2014 stattfinden.
7. Geplante Aktivitäten Haiti 2013 (Dr. Anke Brügmann)
Nach der Entscheidung des Vorstandes, an welchem Standort Schule und Waisenhaus weiterhin geführt werden sollen, wird mit der Planung und deren Umsetzung begonnen werden. Zur besseren Struktur des inzwischen sehr eng belegten Waisenhaus wären kleinere Wohngruppen von etwa 8 Kindern oder Jugendlichen wünschenswert. Die notwendige Reparatur der Wasserleitung und die Instandsetzung der Sanitäreinrichtungen werden aber sofort in Angriff genommen.
Für die Unterbringung der großen Jugendlichen planen wir ein gesondertes Haus mit Betreuung. Wenn Patenschaften für die Großen auslaufen, müssen sie selbst Geld dazu verdienen, wenn sie noch bei uns leben (betreutes Wohnen). Die Schule braucht weitere fachliche pädagogische Unterstützung, da wird immer nach gutem Personal gesucht. Die Schülerzahl sollte in etwa gleich bleiben und nicht steigen, ebenso die Kinderzahl im Waisenhaus. Das externe Patenschaftsprogramm wird nach und nach verkleinert und in das Sozialhilfeprogramm überführt.
Für die landwirtschaftliche Nutzung und Verarbeitung ist eine Intensivierung vorgesehen, auch in diesen Bereichen suchen wir weiterhin nach guten Mitarbeitern.
Spätestens im September wird über die Berufsplanung der Schulabgänger und vor allem über die Klärung der Standortfrage berichtet werden.
8. Vorstandswahl
Zunächst wird Irmela Fritsch als Wahlleiterin gewählt. Bei keinem Wahlgang wird eine geheime Wahl gewünscht (Zustimmung aller).
Nach der Vorstellung der Kandidaten werden die Wahlen durchgeführt. Als zweite Vorsitzende wird Sigrid Fridrich vorgeschlagen, weil Mario Laroche durch seine berufliche Belastung diesen Posten nicht mehr übernehmen möchte. Dr. Fritz Schondelmaier hat einer Wahl in Abwesenheit zugestimmt.
Der erste und zweite Vorsitzende, die Schriftführerin und der Kassenwart werden einzeln gewählt, die Beisitzer gemeinsam. Die Wahlen wurden ordnungsgemäß durchgeführt.
In den Vorstand gewählt wurden:
- 1. Vorsitzende: Dr. Anke Brügmann, Ärztin; St. Roman 1b, 77709 Wolfach
- 2. Vorsitzende: Sigrid Fridrich, Rechtsanwältin; Zehntscheuerweg 5, 72070 Tübingen
- Schriftführerin: Ute Arndt, Musiklehrerin; Bahnhofstr. 4, 64404 Bickenbach
- Kassenwart: Dr. Gerd Brügmann, Chemiker; Taubenstr. 32, 72108 Rottenburg a.N.
- Beisitzer: Mario Laroche, Tiefbauingenieur; August-Bebel-Str. 87, 76187 Karlsruhe
- Beisitzer: Georg Lehmann, Zimmermann; Wilhelm-Homburger-Str. 2, 77776 Schapbach
- Beisitzer: Dr. Fritz Schondelmaier, Orthopäde; Gerberau 26, 79098 Freiburg
- Beisitzer: Günther Stuffler, Architekt; Maxburgweg 11, 76187 Karlsruhe
- Beisitzer: Stefan Willeitner, Lehrer; Lupinenweg 6, 74629 Pfedelbach
Genaue Angaben zu den Wahlen finden sich im gesonderten Wahlprotokoll, das dem Original des Protokolls der JHV angeheftet ist.
Die Kassenprüfer Ingrid Bräutigam und Gerhard Hansert werden wiedergewählt.
Alle Gewählten nehmen die Wahl an. Sigrid Fridrich dankt Irmela Fritsch für die ordnungsgemäße Durchführung der Wahlen.
9. Verschiedenes
Von zwei Mitgliedern wird die Umsetzung des Vergleichs der deutschen mit der haitianischen Satzung zu Recht angemahnt. Die Satzung der Teilorganisation in Haiti sollte auf die Homepage gestellt werden, dieses wurde im vergangenen Jahr versäumt. Der Vorstand entschuldigt sich dafür und wird das umgehend nachholen. Die Kompatibilität der haitianischen Satzung mit der deutschen wurde von Sigrid Fridrich geprüft, es ergaben sich keine Beanstandungen. Die Entscheidung über die Verwendung der Geldmittel wird ausschließlich vom deutschen Vorstand getroffen aus Verantwortung gegenüber den Spendern. Der Vergleich der beiden Satzungen wird in der JHV 2014 auf die Tagesordnung gesetzt.
Noch bis Ostern können Briefe an die Kinder beim Patenschaftsteam abgegeben werden. Nach Ostern fliegt Anke Brügmann wieder nach Haiti und nimmt die übersetzten Briefe mit.
Ein ausdrücklicher Dank geht an die haitianischen Mitarbeiter in Beaumont.
Sigrid Fridrich bedankt sich bei allen für die Spenden und Mitarbeit und schließt die Versammlung gegen 22 Uhr.
Dr. Anke Brügmann, 1. Vorsitzende
Ute Arndt, Protokollführerin
Das PDF-Dokument der Jahreshauptversammlung können Sie herunterladen.
Den Kassenbericht des Vereins für das Jahr 2012 können Sie ebenfalls herunterladen.
Den Finanzbericht des Vereins für das Jahr 2012 in Haiti können Sie ebenfalls herunterladen.
Zwei deutsche Zahnärzte behandeln die Kinder im Heim - manch kleiner Patient blickt bang auf die ungewohnten Instrumente
Viele KInder erhielten von Zahnärztin Nina Schondelmaier zum ersten Mal eine Zahnbehandlung
Nach getaner Arbeit freuten sich Zahnarzt Sebastian Engelhardt und die kleine Patientin gleichermaßen
Zahnbehandlung im Autositz
Januar 2013 -
Bei der jüngsten Haiti-Reise wurde Anke Brügmann von zwei deutschen Zahnärzten begleitet, Nina Schondelmaier, der Tochter von Vorstandsmitglied Fritz Schondelmaier, der auch selbst bei der Reise dabei war sowie dem Zahnarzt Sebastian Engelhardt und Vorstandsmitglied Günther Stuffler. Zunächst gab es Schwierigkeiten, die Zahnbehandlungsinstrumente zum Laufen zu bekommen. Beim Einstecken in die haitianische Steckdose blieb die Bohrmaschine stumm, der Anschluss passte nicht. Erst als Hugo Bazile und seine Mitarbeiter aus dem haitianischen Menkontre-Team einen Abend lang verschiedene Anschlussvarianten ausprobiert hatten, lief alles rund. Mit typisch haitianischem Improvisationstalent hatte Hugo bereits aus einem alten Autositz einen perfekten Zahnarztstuhl gebaut.
Leider gehen die Zahnbehandlungen nicht so schnell vonstatten, wie sich die Zahnärzte aus Deutschland erhofft hatten. Es zeigte sich nämlich rasch, dass schon die ganz kleinen Kinder sehr große Löcher in den Zähnen haben. Deshalb dauern die Behandlungen länger als gedacht. Es ist abzusehen, dass bei dieser Reise wohl nicht alle 300 Patienten behandelt werden können und möglichst bald wieder Zahnärzte mit nach Haiti kommen sollten, um auch die anderen Kinder und Jugendlichen behandeln zu können.
- Lesen Sie zu dieser Reise auch die Reiseberichte von Vorstandsmitglied Fritz Schondelmaier und von Zahnarzt Sebastian Engelhardt
Vorstandsmitglied Günther Stuffler kümmerte sich vor Ort erneut um die Vermessung der Grundstücke. Eine große Unwägbarkeit beim weiteren Ausbau von Heim und Schule und einem möglicherweise nötigen Standortwechsel ist der Trassenverlauf der neu gebauten Nationalstraße. Derzeit gibt es keinerlei Anzeichen für eine Fortsetzung der Bauarbeiten. Somit können wir zwar Grundstücke erwerben und ihre Verwendung planen, es ist aber nicht möglich einen Spatenstich zu wagen.
Günther Stuffler meinte bei der Landbegehung, dass die Trassenführung durch das weiter entfernte Viertel Anba nan kafe eigentlich sinnvoller gewesen wäre, und dass es möglich sei, dass eine neue Firma die Situation vor Ort ganz anders einschätzen könne.
Anke Brügmann will noch einmal versuchen, mit dem Verkehrsministerium Kontakt aufzunehmen, um zu klären, wie der aktuelle Stand ist und ob es bei der bisherigen Trassenführung bleibt, die direkt am Heim vorbeiführen würde.
Container mit Hilfsgütern für Haiti
Container mit Kinderkleidung und wasserdichten Matratzen für Heim in Haiti
Dezember 2012 -
Im Januar 2013 schicken wir wieder einmal einen Container mit Hilfsgütern auf die lange Reise nach Haiti. Der Container sollte eigentlich schon am 19. Dezember 2012 in Hamburg sein, aber die Zollformalitäten waren wohl wieder eine Wissenschaft für sich – und so verzögert sich der Transport bis Januar.
Um das aufwendige und zeitraubende Sortieren und sorgsame Verpacken der vielen Hilfsgüter kümmerten sich Silvia und Georg Lehmann (Beisitzer im Vereinsvorstand) und die Frauengemeinschaft Schapbach, das war unendlich viel Arbeit.
Wir haben für diesen Container verschiedenste Dinge gesammelt, die wir derzeit in Haiti besonders dringend brauchen. Dazu zählen etwa wasserdichte Matratzen und Bettdecken, die das Krankenhaus Wolfach gespendet hat. Sehnsüchtig erwartet werden in Haiti auch die restlichen Metallspinde der Firma Hansgrohe (deren vielfältige Hilfe für Menkontre auf der Firmenhomepage nachzulesen ist) sowie Kinderkleidung und Haushaltsartikel, die von vielen privaten Spendern zur Verfügung gestellt wurden.
Auch für das weitere Vorankommen unserer landwirtschaftlichen Produktion ist dieser Container sehr wichtig. Für die Weiterverarbeitung landwirtschaftlicher Produkte haben wir eine große Ölpresse erhalten, die nun ebenfalls in diesem Container auf dem Weg nach Haiti ist.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen Spendern, Packern, Helfern und Organisatoren für ihren Einsatz!
Auch der Schwarzwälder Bote berichtet über den Versand des Containers nach Haiti.
Anke Brügmann, Vereinsvorsitzende
Tropensturm Sandy
Tropensturm Sandy wütet in Haiti.
Ende Oktober hat der Zyklon Sandy viel Schaden im Süden von Haiti angerichtet. Wir sind einigermaßen glimpflich davongekommen. Allerdings sind etwa die Hälfte unserer Bananenstauden umgeknickt oder entwurzelt worden. Einige Zimmer in Waisenhaus und Schule standen mal wieder unter Wasser. Die Kinder hatten lange Zeit keine trockenen Sachen mehr und mußten in den Zimmern bleiben. Die Mitarbeiter im Heim in Beaumont waren vor allem damit beschäftigt die Tiere in Sicherheit zu bringen und die Fenster zu vernageln.
Der Zyklon hat auch viele Bäume entwurzelt, aber zum Glück waren bei diesem Tropensturm keine wertvollen Fruchtbäume dabei. Der Mais liegt vollständig am Boden, aber er war glücklicherweise fast reif, so daß die Ernte nicht verloren ist. Die Straßen im ganzen Süden waren an mehreren Stellen nicht passierbar. Das Heim war eine Zeit lang von der Außenwelt abgeschnitten.
Anke Brügmann erklärt die Prüfungsergebnisse
In kostenlosen Vorbereitungskursen konnten sich die Schüler auf die Abschlussprüfung vorbereiten
Johanne freut sich über die Urkunde zur bestandenen Abschlussprüfung
Abschlussprüfung 6. Klasse
Großer Erfolg für Men Kontre: Alle Schüler bestehen die staatliche Abschlussprüfung
Dieses Jahr haben wir zum dritten Mal seit unserem Bestehen eine Klasse zur zentralen staatlichen Abschlussprüfung nach der 6. Klasse vorgestellt. Zum dritten Mal in Folge bestanden alle unsere Kandidaten die Abschlussprüfung.
Das ist ein ganz besonderer Erfolg für uns. So ein Ergebnis ist keinesfalls üblich. Es gab Schulen in Beaumont, die keinen einzigen Schüler durchbringen konnten, in anderen Schülern war weniger als die Hälfte der Schüler erfolgreich. Nur wenige Schulen überhaupt können ein gutes Ergebnis vorweisen.
Unsere Schüler und ihre Familien waren sehr glücklich über diesen Erfolg. Sie hatten lange dafür gepaukt. Seit Ostern hatten wir jeden Tag in zwei Nachmittagsstunden kostenlose Vorbereitungskurse angeboten.
Die Ergebnisse gaben wir in einer großen Versammlung bekannt. Weil wir mit den höchsten Punktzahlen begannen und dann nach und nach die niedrigeren Punktzahlen aufriefen, verlief die Bekanntgabe der Ergebnisse sehr spannend. Die Schüler bekamen jeweils ihre Urkunde und ein Französisch-Schülerlexikon als Geschenk.
Pedro, ein Junge aus dem Waisenhaus, war Klassenbester. Der größte Jubel brandete am Ende der Versammlung auf, als klar wurde, dass unser schwächster Schüler, der über zwei Monate krank war, die Abschlussprüfung auch noch gerade eben geschafft hatte.
Die meisten unserer 21 Schüler, davon 9 Waisenhauskinder, möchten nun eine weiterführende Schule besuchen. Der Direktor des städtischen Gymnasiums sagte, er würde die Men-Kontre-Kinder sofort aufnehmen, weil die Schüler ein gutes Niveau hätten. Mit dem Abschluss der sechsten Klasse alleine können die Schüler noch nicht viel anfangen. Schon für einfache Handwerksberufe brauchen die Schüler in Haiti mindestens den Abschluss der 9. Klasse, vergleichbar dem Hauptschulabschluss in Deutschland.
Neue Nationalstrasse erfordert Verlegung von Schule und Waisenhaus
Fußgänger vor dem Heim - bald werden hier die Lastwagen vorbeidonnern
Der mögliche neue Standort für das Heim: Fon Trankil
Rundbrief Juni 2012
8. Juni 2012
Liebe Freunde, Mitglieder und Spender,
Heute möchten wir einen Zwischenbericht zu unseren aktuellen Problemen schicken.
Sie können diesen Rundbrief herunterladen.
Straßenneubau erfordert wohl Verlegung von Waisenhaus und Schule
Die neue Nationalstraße soll nun doch direkt an unserer Haustür vorbeigeführt werden. Für die ursprünglich geplante Umgehungsstraße ist das Geld ausgegangen.
Wir hatten uns in den vergangenen Jahren intensiv für die Umgehung eingesetzt. Noch im Januar bekam ich bei den Verkehrsbehörden die Auskunft, dass die Straße auf keinen Fall bei uns vorbeigehen soll. Anfang Mai kam aber von der Straßenbaufirma das endgültige Aus für die Umgehung. Wir haben viel gekämpft, aber es ist zwecklos, wir können gegen mächtige Unternehmen nichts ausrichten. Auch mit Entschädigung ist nicht zu rechnen, da unsere Gebäude nicht eingerissen werden.
Die Straße ist einige riesige Katastrophe für uns. Wir wissen, was eine Nationalstraße in Haiti bedeutet. Eine Nationalstraße entspricht etwa den Verkehrsregeln einer deutschen Autobahn, mit Absicherung und Infrastruktur eines deutschen Feldweges.
Wir müssten uns auf Lärm rund um die Uhr einstellen. Schon jetzt, da einige Straßenabschnitte fertig gestellt sind, kann man im Waisenhaus durch das vermehrte Verkehrsaufkommen keine Nacht mehr ruhig schlafen. Tagsüber muss man jedes Gespräch, und jeden Unterricht unterbrechen, wenn ein Lastwagen vorbeifährt, da es in Haiti ja keine Fenster zum Zumachen gibt. Wie soll das erst sein, wenn ständig Verkehr auf der Straße ist?
Staub und Dreck am Rande einer großen Straße sind kaum zu beschreiben. Direkt am Straßenrand befindet sich unsere kleine Ambulanz. Meine Instrumente werden jetzt schon unter Bergen von Staub begraben, seit die Lastwagen auf der verbesserten Trasse vorbeibrausen.
Früher hatten wir gelegentlich Asthmafälle im Waisenhaus und in unserer Schule, die Frequenz hat jetzt schon erheblich zugenommen. Immer wieder haben die Kinder mit schwerer Atemnot zu kämpfen.
Neue Nationalstraße bedeutet Lebensgefahr für die Kinder
In Haiti besteht ein riesiges Abfallproblem, entlang der Straßen. 50m rechts und links von einer großen Straße verwandeln sich regelmäßig in eine Müllhalde und sind von menschlichen Exkrementen übersät. Vor allem stellt eine Nationalstraße eine ernsthafte Lebensgefahr für unsere Kinder dar. Täglich passieren schlimme Unfälle, weil Fußgänger von rücksichtslosen Autofahrern angefahren werden. Kinder ab vier Jahren kommen täglich auf dieser Straße auf einer Strecke von 10 km zu uns in die Schule. Erst im Februar hat ein Motorrad eine unserer Schülerinnen umgerissen und verletzt. Besonders im Waisenhaus aber auch bei den externen Schülern haben wir geistig Behinderte, die auf eine Gefahr im Straßenverkehr nicht adäquat reagieren können. Wir können unter solchen Bedingungen für so viele Kinder die Verantwortung nicht übernehmen.
Mit der Straße wird eine Reihe von negativen Einflüssen in unser Viertel kommen, von denen wir unsere Kinder fern halten wollten: Glücksspielbuden, Kriminalität, Alkohol und Drogen, manchmal Prostitution, Nachtclubs, alle möglichen Waren, die am Straßenrand angeboten werden, und die sich die Kinder nicht leisten können, ohne dafür zu klauen. Direkt gegenüber von uns, wo jetzt noch hunderte von Vögeln in den Palmen nisten, soll ein Hotel gebaut werden.
Als wir mit unserer Institution in das abgelegene Viertel Nan Ginen kamen, hatten wir eine bestimmte Vision. Wir wollten einen geschützten Raum abseits der Stadt für Kinder aus schwierigen Verhältnissen schaffen. Dieses Ziel wäre am Rande einer Nationalstraße absurd.
Standort von Waisenhaus und Schule muss aufgegeben werden
Trotz aller Opfer der vergangenen Jahre bleibt uns nichts anderes übrig, als unseren Standort für Waisenhaus und Schule aufzugeben, so sehr es uns auch schmerzt, unser Zuhause seit 10 Jahren, mit aller Arbeit und allen Investitionen, die darin stecken, zu verlassen. Wir rechnen damit, dass wir eventuell schon im Sommer wenigstens die Kleinsten evakuieren müssen. In der letzten deutschen Vorstandssitzung haben alle für den Umzug gestimmt.
Es ist nicht einfach, einen neuen Standort für das Waisenhaus zu finden. Wir können nicht aus Beaumont wegziehen, weil alle unsere Hauptverantwortlichen, die ja auch für unsere Kinder die Eltern ersetzen, nicht mitkommen würden. In Beaumont gibt es nur an drei Stellen Wasser, dadurch sind wir sehr eingeschränkt.
Wir prüfen im Moment, ob wir ausreichend Land in Fon Trankil bekommen könnten. Auf Deutsch heißt das „stiller Grund“, und es ist wirklich eine paradiesische Ecke, mit der Möglichkeit eine eigene Quelle zu fassen. Das Land ist nicht eben, aber das bietet uns zusätzliche Sicherheit vor anderen Investoren. Wir würden die Gelegenheit nutzen, und die im Moment total überfüllten zwei Häuser des Waisenhaus in kleinere, familiärere Wohngruppen aufteilen, auf jedem Hügel eine Wohngruppe von 8 bis max. 10 Kindern.
Große Investitionen aus Rücklagen notwendig
Wir hatten glücklicherweise in Deutschland Geld für den großen Notfall zurückgelegt, das uns nun ermöglicht, schnell mit den Planungen zu beginnen. Trotzdem wird das noch einmal eine riesige Investition, die wir ohne zusätzliche Unterstützung nicht leisten können.
Leider habe ich noch keine Idee, was aus unserer Schule werden soll. In Fon Trankil ist nicht ausreichend zusammenhängendes bebaubares Land. Wir müssen in der nächsten Zeit die Umgebung noch einmal genau prüfen.
Produktions- und Werkstätten verbleiben am bisherigen Standort
Auch für unseren bisherigen Standort haben wir konkrete Pläne: Wir werden all das dort unterbringen, was wir in den nächsten Jahren an anderer Stelle hätten bauen müssen: Produktions- und Werkstätten, Lager und Wohnraum für unsere jungen Erwachsenen, Sekundarschüler und Lehrlinge. Im Landwirtschaftsprogramm werden jetzt wesentlich mehr Lebensmittel produziert, wir brauchen jetzt bald Raum für die Weiterverarbeitung.
Obstverarbeitung im Mädchenhaus
Das Jungenhaus des Waisenhauses mit seiner großen Halle soll die Maniok- und Erdnussverarbeitung aufnehmen. Wir haben bereits eine Ölmühle in Deutschland bestellt, die in den nächsten Container kommt. In den ehemaligen Kinderzimmern wird das Lehrlings- und Schülerwohnheim untergebracht. Das Mädchenhaus eignet sich gut für die Obstverarbeitung, evtl. auch Kaffee, Kakao und Milch. In die glücklicherweise geräumigen Klassenzimmer der Schule könnten die Werkstätten kommen, eine Schreinerei, eine Klempnerwerkstatt, die Fertigung von Betonfertigteilen für die Komposttoiletten, unsere im Moment etwas beengte Bäckerei, ein Lager und ein Unterrichtsraum für die Lehrlinge.
Es wird weitergehen – wir suchen ehrenamtliche Mitarbeiter für Bauprojekte vor Ort in Haiti
Das ist nun erst einmal eine vage Ideensammlung. Mit dem Bauen können wir erst anfangen, wenn die Straßenbauarbeiten am Laufen sind, denn vorher sind wir vor Überraschungen und Trassenänderungen nicht sicher. Für den ziemlich unwahrscheinlichen Fall, dass die Straße nicht bei uns vorbeikommt, bleibt alles beim Alten. Nur eines wissen wir ganz bestimmt: Es wird bei uns weitergehen. Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Ein Neuanfang bietet auch die Chance, ein schlüssiges Gesamtkonzept zu verwirklichen, wo wir bisher immer nur notfallmäßig angebaut haben.
Wir möchten alle unsere Freunde bitten diesen Notfallplan im Fall des Straßenbaus mitzutragen. Neben der Finanzierung ist vor allem die Arbeitsleistung ein Problem für uns. Wir suchen ehrenamtliche, professionelle Mitarbeiter aus dem Baubereich, die uns z.B. bei der Bauaufsicht und bei der Organisation der Bauarbeiten helfen könnten. Leider sind Grundkenntnisse in Französisch Bedingung. Vielleicht kennen Sie jemanden?
Auch die Verwaltungsarbeiten in Haiti nehmen viel zu viel meiner Zeit in Anspruch. Zum Beispiel fordern die Ministerien immer mehr Berichte, und die Abrechnungen müssen mit dem Buchhalter durchgegangen werden. Auch hier wäre ich froh über jeden ehrenamtlichen Mitarbeiter mit guten Französischkenntnissen, der einmal für ein paar Wochen mit rüber geht.
Wir danken allen ganz herzlich, die sich immer wieder für unsere Kinder einsetzen und uns unterstützen. Ich werde diese Woche wieder nach Haiti fliegen, der Verein ist aber jederzeit über unserer Schriftführerin Ute Arndt erreichbar. Wir freuen uns über jede persönliche Kontaktaufnahme.
Herzliche Grüße
Anke Brügmann
Impfaktion in der Schule
Fachleute des Gesundheitsministeriums besuchten die Schule von Menkontre für eine Impfaktion. Eine Impfung bekamen die Kinder im Alter bis zu 9 Jahren. Die Fachleute des Ministeriums impften sehr geschickt, so dass die Kinder kaum etwas von der Impfung merkten. Es ist eine große Erleichterung für die Helfer vor Ort, daß die Schule durch die offizielle Anerkennung des Vereins und seiner Schule in solche Programme integriert wird. Früher mußte Menkontre solche Impftage selbst organisieren, das ist ohne Kühlkette sehr mühsam.
Auto für Menkontre: Der alte Wagen war nicht mehr fahrtüchtig. Ein gebrauchter Toyota macht Menkontre vor Ort wieder mobil
Mehr Platz für den Transport der Kinder
Der Ersatz für den alten, kaputten Wagen ist da
Auto für Menkontre
Seit Dezember 2011 haben wir einen gebrauchten Toyota Landcruiser. Das alte Auto hat nach vielen Jahren auf den extrem schwierigen Straßen nicht mehr fahrtüchtig. Jetzt haben wir ein sehr robustes Fahrzeug. Im Kofferraum können noch zusätzliche Sitze ausgeklappt werden. so können wir auch größere Kindergruppen transportieren. Auch für den Transport von Material ist steht nun mehr Stauraum zur Verfügung. Ein neueres Auto zu kaufen ist in Haiti wenig sinnvoll, zum einen wegen des risikoreichen Straßenerkehrs, zum anderen weil neuere, wertvolle Wagen eher überfallen oder gestohlen werden.
Einige ältere Jugendliche haben nun das Alter erreicht, um einen Führerschein machen zu können. Sie können uns langfristig beim Fahren entlasten. Die Jugendlichen freuen sich schon sehr auf die Fahrstunden.
Der Karneval war für die Kinder wieder ein buntes Fest.
Aus Deutschland wurden Schminkfarben gespendet.
Alle halfen mit beim Herstellen der bunten Kostüme.
Karneval 2012
Drei Tage dauerte der Karneval bei Men kontre. Diesmal waren die Kinder besonders schön verkleidet. In der Woche davor hatten wir mit den Kindern Masken gebastelt. Aus Deutschland wurden Verkleidungen und Schminke gespendet. Am Sonntag war das Karnevalsfest im Waisenhaus, zu dem auch viele unserer Schüler kamen, am Rosenmontag nahm Men kontre am Umzug teil. Die großen Kinder tanzten auf der Straße, die Kleinsten durften im Auto mitfahren. Am Dienstag wurde dann der Straßenkarneval vor dem Waisenhaus gefeiert. Jeden Abend war Anke Brügmann mit anderen Kindergruppen in der Stadt Beaumont, damit sie dort das Treiben erleben konnten.
Vereinsvorsitzende Anke Brügmann nimmt die mündliche Prüfung ab
Schüler und Eltern bei der Zeugnisvergabe
Die Schüler bei der Französisch-Prüfung
Schulprüfungen Februar 2012
Prüfungen in der Men-Kontre-Schule
Ende Januar-und Anfang Februar waren wieder Zwischenprüfungen in der Men-Kontre-Schule. Anschließend sind wir rund um die Uhr mit dem Korrigieren und Auswerten der Arbeiten beschäftigt. Die Schüler müssen vier mal im Jahr ein Examen schreiben, anschließend erhalten sie die Zeugnisse.