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In Haiti ist eine medizinische Versorgung für die arme Landbevölkerung kaum zugänglich. Die wenigen staatlichen Ambulanzen in der Peripherie werden oft nur von Hilfsschwestern betreut, die nach einer neunmonatigen Ausbildung ganz alleine für eine solche Krankenstation verantwortlich sind. Entsprechend ist die Qualität der Behandlung. Dazu sind die Medikamente so teuer, daß sie kaum ein Patient bezahlen kann. Oft fehlen gerade die wichtigen Medikamente. Das Personal wird schlecht oder nur mit Verspätung bezahlt und kaum kontrolliert. Dadurch ist die Anwesenheit des Personals sehr beschränkt. Viele dieser Ambulanzen sind praktisch leer. Die Leute ziehen es vor, sich bei traditionellen Heilern behandeln zu lassen. Es ist sehr schwierig, dauerhaftes qualifiziertes Personal für die Peripherie zu bekommen. Wer die Möglichkeit hat, arbeitet lieber in der Hauptstadt. Dr. Senèque Philippe ist da eine Ausnahme. Er stammt aus Pestel, hat in Mexiko Medizin studiert und in Port-au-Prince seinen Facharzt für Familienmedizin abgeschlossen. Anke Brügmann kennt ihn seit vielen Jahren, seit er im Krankenhaus von Beaumont arbeitete. Er möchte an seinem Heimatort leben und seinen eigenen Leuten helfen. Stellenangebote in der Hauptstadt hat er bereits abgelehnt. Von ihm selbst kam der Vorschlag für das Projekt. Jeden Montag fährt er nach Bernagousse und führt dort eine Sprechstunde durch. Die Patienten kommen oft von sehr weit her. In zwei kleinen Räumen eines einfachen Bauernhauses haben wir unsere Ambulanz eingerichtet. Das Wartezimmer befindet sich im Freien unter einer Überdachung aus Palmblättern. Die Patienten zahlen einen kleinen Betrag für die Medikamente, der die Kosten aber bei weitem nicht deckt. Der größere Anteil muß von uns übernommen werden, damit die Medikamente für die Patienten erschwinglich werden. Außerdem kommen wir für die Transportkosten, einiges Material, und ein kleines Taschengeld für ein bis zwei unausgebildete Helfer auf. Der Arzt selber erhält kein Gehalt. Unser monatlicher Aufwand beträgt ca. 300 Euro. Inzwischen können wir günstigere Medikamente in Jeremy einkaufen, die von der WHO in größeren Packungen abgegeben werden und deren Auswahl eine effiziente Therapie gewährleistet. Dadurch können wir einiges an Kosten einsparen. Nachdem wir 2004 zeitweise aus politischen Gründen pausieren mußten, läuft unsere Sprechstunde in der abgelegenen Krankenstation Bernagousse wieder ganz regelmäßig jeden Montag. Es kommen jedesmal etwa 30 Patienten, was für einen einzelnen Arzt ohne weiteres medizinisches Personal schon schwer zu bewältigen ist. In unserer Ambulanz werden auch Familienplanung und staatliche Impfprogramme durchgeführt. Mit der lang diskutierten Ausweitung des Programms auf andere Dörfer sind wir noch zurückhaltend, da Dr. Senèque Philippe derzeit nicht mehr leisten kann. Wir müssen allerdings über eine Aufstockung des Medikamentenbudgets nachdenken, da die Patienten selbst nur wenig beitragen können und das Geld nicht reicht, ausreichend Medikamente nachzukaufen. |
| Pwojè men kontre Haiti – Deutschland e. V. | Kto. 10148072, Spk. Wolfach, BLZ 664 527 76 | Stand: 24.2.2010 |